Freitag, 28. April 2017

Schutzmaßnahmen für Bäume in Baustellenbereichen XXIV

nach RAS-LP 4 (Richtlinien für die Anlage von Straßen - Teil: Landschaftspflege, Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen)


Die letzte Stunde der Wahrheit V (Schluss)

Der große Antipode zu Marx' Krisendiagnose des Kapitalismus ist Adam Smith, der gerade in der kapitalistischen Mentalität des Eigeninteresses einen Mechanismus entdecken wollte, der dem Wohl aller dient. Adam Smiths Lob des Egoismus zieltge auf eine Paradoxe Wirkung des Egoismus, also darauf, dass der Wohlstand dadurch wächst, dass Menschen aus Eigeninteresse das tun, was anderen nützen kann. Ebenso berühmt wie Marx' Zitat über das Verdampfen alles Bestehenden* ist Smiths Charakterisierung des Egoismus in dieser Formulierung: "Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Wir wenden uns nicht an ihre Menschen-, sondern an ihre Eigenliebe, und wir erwähnen nicht die eigenen Bedürfnisse, sondern sprechen von ihrem Vorteil."** Aus ihrem jeweiligen Vorteil aber entstehe erst der Vorteil aller [...].

* "Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen." [U. R.]
** Adam Smith, der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen, München: dtv 1978, S. 17

Die letzte Stunde der Wahrheit : Kritik der komplexitätsvergessenen Vernunft / Armin Nassehi. Neue Ausgabe. Hamburg: Sven Murmann Verlagsgesellschaft 2017. ISBN: 978-3-946514-58-9

Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei XI

Frage nach und überprüfe.

Ergründe Dinge selbst. Verbringe mehr Zeit mit langen Artikeln. Unterstütze den investigativen Journalismus, indem du Printmedien abonnierst. Denk daran, dass einige der Dinge, die sich im Internet finden, dir schaden wollen. Erkundige dich nach Webseiten, die Propagandakampagnen kritisch unter die Lupe nehmen (von denen einige im Ausland sitzen). Übernimm Verantwortung für das, was du mit anderen kommunizierst.

Timothy Snyder: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn, München: Beck 2017 (C. H. Beck Paperback 6292), ISBN: 978-3-406-71146-6)

Pariser

Ein geschützter Raum für junge Geflüchtete und diskriminierte Jugendliche soll er werden, ein Treffpunkt für alle, die von einer toleranten Gemeinschaft träumen: der frühere Jugendclub „Pariser“ neben der Greifswalder Jacobikirche. In der Ortsteilvertretung Innenstadt stellten Lisbeth Franke (32) und Katrin Heinrich (35) am Mittwochabend diese Idee ihres Vereins „Jugend kann bewegen“ vor – und ernteten neben skeptischen Fragen auch Zustimmung
Auf den Einwand von Nikolaus Kramer (AfD) und Gamal Khalil (CDU), die Flüchtlingsheime böten doch genug Platz, entgegneten sie: „Uns geht es um Menschen, die in Not sind, kurzfristig eine ruhigere, sichere Unterkunft und Hilfe brauchen“. Von Yvonne Görs und Jörn Kasbohm (Linke) kam Anerkennung.
Im Kommentar dazu heißt es:
Wer als Bürger in der Ortsteilvertretung Innenstadt seine Ideen vorstellen will, muss sich warm anziehen. Am Mittwochabend jedenfalls herrschte in diesem Gremium ein raues Klima: Zwei Frauen vom Verein „Jugend kann bewegen“ stellten den Ortsteilvertretern ihre Pläne für eine Jugend- und Flüchtlingsarbeit im Haus „Pariser“ neben der Jacobikirche vor – und ernteten vom Vorsitzenden Gamal Khalil scharfe Nachfragen.
Nichts gegen Fragen. Dass eine Ortsteilvertretung wissen will, ob so ein Verein Erfahrung in der Jugendarbeit hat, wieviele Mitglieder zu ihm gehören und ob er gemeinnützig arbeitet, ist legitim und sogar nötig. Aber muss der Tonfall nach Verhör klingen? [...] Wie zwei Angeklagte wurden die beiden Frauen von ihm mit scharfer Stimme aufgefordert, die Fragen und nur die Fragen zu beantworten, versuchte er, ihnen Widersprüche und Defizite nachzuweisen.
Partizipation geht anders.

In diesem Falle muss man die OZ einmal öffentlich loben: Bericht und Kommentar erschienen in getrennten Beiträgen. Das sollte in der Lokalredaktion Schule machen!


 

Unglaublich

Hat wirklich jemand jemals geglaubt, dass durch finanzielle Erleichterung des Unternehmerdaseins mehr Investitionen getätigt werden? Seit wann fließen Steuererleichterungen für Unternehmen und Unternehmende, Entlassungen zugunsten des "Gesundschrumpfens" sowie Senkung von Lohnnebenkosten in die investive Tätigkeit der Unternehmen zurück? Natürlich landen diese Ersparnisse auf privaten Konten auf den Cayman Islands. Der Neue im US-amerikanischen Präsidentenamt scheint tatsächlich an diese Naivität zu glauben - oder er betreibt ganz einfach billige Klientelpolitik (und wirtschaftet in seine eigene Tasche, denn er selbst ist von diesen Maßnahmen bevorteilt).

Bis der Donald Duck in Washington ausgelernt hat, sind die USA in einem Handelskrieg, wirtschaftlich am Boden, sozial geschädigt, und die Weltwirtschaft am Donnerstag vor dem "Schwarzen Freitag".



Gar nicht (guts-)herrlich

Die Schweriner Gutsherren (und -frauen) bekommen Probleme: Sie sind dabei ertappt worden, wie sie ihre Untertanen hemmungslos betrogen und ausgebeutet haben. Dass das einen Sturm auf das Winterpalais Schweriner Schloss erzeugen könnte, ist die Folge.

Nicht nur, dass Schwerin zugunsten des Landeshaushaltes weder die Theater noch die Kommunen auskömmlich finanziert, nicht nur, dass (Herr Brodkorb ist da ziemlich dran beteiligt) Geld vom Bund für die Kommunen zu 30 % an Schweriner Händen ("für übergeordnete Aufgaben") kleben bleibt - nein, die Gutsherrlichkeit in Schwerin hat die Bilanzen friesiert!

Alle zwei Jahre (immer zu den geraden Jahren) wird berechnet, wieviel Geld Schwerin den Kommunen zu überweisen hat. Und zack: Alle zwei Jahre hatte Schwerin mit stark erhöhten Ausgaben zu kämpfen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Die Forderung bleibt bestehen: Keine gutsherrlichen Sonderausschüttungen als Belohnung für Wohlverhalten und für die pressegeilen Förderungsbescheidüberbringenden, sondern auskömmliche Finanzierung der Kommunen (und der Theater)! Was sollen Schwerins Untertanen denn noch alles für die Schwarze Null im Landeshaushalt tun?

Zur Erläuterung: Die gelbe Linie ist die der stetig steigenden Ausgaben der Kommunen. Die Zickzacklinie ist nicht der Heimweg eines betrunkenen Menschen, sondern die Darstellung der Ausgaben des Landes, die zufällig immer in den geraden Jahren, wenn der Finanzausgleich berechnet wird, eine besondere Höhe erreichten.

Donnerstag, 27. April 2017

Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei X

Glaube an die Wahrheit.

Die Fakten preiszugeben heißt, die Freiheit preiszugeben. Wenn nichts wahr ist, dann kann niemand die Macht kritisieren, denn es gibt keine Grundlage, von der aus man Kritik üben könnte. Wenn nichts wahr ist, dann ist alles Spektakel. Die dickste Geldbörse zahlt für die blendendsten Lichter.

(Timothy Snyder: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn, München: Beck 2017 (C. H. Beck Paperback 6292), ISBN: 978-3-406-71146-6)

Die letzte Stunde der Wahrheit IV

Es läuft also keine passive Wahrnehmung einer objektiv vorhandenen Welt ab, sondern es läuft permanent ein "Selbst-Monitoring"* als implizite Voraussetzung bewusster Prozesse mit. [...] Wahrnehmung folgt eher pragmatischen als prinzipiellen Motiven, muss also funktionieren, nicht begründbar sein.
*Ernst Pöppel: Der Rahmen. EinBlick des Gehirns auf unser Ich, München/Wien: Hanser 2006, S. 463

Die letzte Stunde der Wahrheit : Kritik der komplexitätsvergessenen Vernunft / Armin Nassehi. Neue Ausgabe. Hamburg: Sven Murmann Verlagsgesellschaft 2017. ISBN: 978-3-946514-58-9

Schutzmaßnahmen für Bäume in Baustellenbereichen XXIII

nach RAS-LP 4 (Richtlinien für die Anlage von Straßen - Teil: Landschaftspflege, Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen)


Fest auf dem Markt

Die OZ berichtet:
Am 1. Mai steigt auf dem Greifswalder Marktplatz ein großes Kulturfest für Solidarität und Weltoffenheit. Nachdem das Bündnis „Greifswald für alle“ mit seiner 2016 erstmals organisierten Maiveranstaltung „Wir sagen Moin und Merhaba“ mit über 1500 Gästen ein klares Zeichen für Toleranz setzte, „konnten wir in diesem Jahr noch viel mehr Initiativen und Vereine für eine Teilnahme gewinnen“, sagt Bündnissprecher Christoph Volkenand. [...] Auf der Bühne werde ein vielfältiges Programm geboten – von Rock über Musical und Deutsch-Rap bis hin zu Blues. Daneben beteiligen sich rund 30 Initiativen, Vereine und Institutionen mit Infoständen und Mitmachangeboten für die ganze Familie.
Dem Hörensagen nach geht es um 13 Uhr los.



Heute auch in der OZ:

Heftige Reaktionen haben völkisch-nationalistische Äußerungen des AfD-Landtagsabgeordneten Prof. Ralph Weber ausgelöst. In einer Facebook-Nachricht warnt Weber vor angeblich drohender „multikultureller Umgestaltung“, einem „großen Austausch“ der Bevölkerung durch Überfremdung. Dies dürfe nicht geschehen. Zitat: „Wir ,Biodeutsche’ mit zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern müssen hierfür sorgen.“ Kritiker sehen dies als letzten Beweis dafür, dass Weber am äußersten rechten Rand agiert, für die SPD ist er ein „Neonazi“. Vor allem weil er wie der umstrittene thüringische AfD-Mann Björn Höcke eine „Kehrtwende“ in der Geschichtsbetrachtung „um 180 Grad“ fordert. Die Spitze der AfD in MV geht auf Distanz.
Die Ereignisse zu Webers Äußerungen haben sich in den vergangenen Tagen überschlagen. Am Montag setzt er seine umstrittene Nachricht ab, fordert unter anderem: „Deutschland den Deutschen“. Später streicht er dies wie andere Passagen auch.

Dass die Greifswalder Lokalredaktion dazu nichts gesagt hat, aber auch nicht über die Arndt-Veranstaltung mit Götz Aly berichtet, sondern beides der übergeordneten Redaktion überlässt, könnte darauf schließen lassen, dass in der Greifswalder Redaktion (oder in der übergeordneten...) der Gedanke aufgekommen sein könnte, dass es möglicherweise einen Zusammenhang gibt zwischen ihrer einseitigen Arndt-Kampagne und dem sich ausbreitenden - nennen wir es arndtisch: Nationalismus.

Könnte.

In Greifswald und anderen Großstädten

Wie in Paris, Rom, Mailand, Berlin und Köln sind in der Stadt Greifswald Autofahrende bzw. ihre Fahrzeuge eher ein Problem denn die Lösung irgendeiner Schwierigkeit.
Es geht darum, ob die Ordnungskräfte härter vorgehen sollen gegen Autofahrer, die mit ihren Wagen die Geh- und Radwege zuparken. Ein breites Bürgerbündnis fordert mehr Konsequenz, der SPD-Ortsbürgermeister aber will die Autofahrer nicht verprellen.
Was nach Provinzposse klingt, steht in Wahrheit sinnbildlich für einen neuen Kulturkampf, der vor allem in den Großstädten tobt – der Kulturkampf ums Auto. Immer mehr Menschen hier sind genervt von den vielen Blechkisten und wollen ihre Vormachtstellung im Verkehr nicht mehr hinnehmen. Die Autos sind zu laut, machen Radfahrern das Leben schwer, ebenso den Rollstuhlfahrern und den Eltern mit Kinderwägen. Und sie klauen den Restaurants die Fläche für die Außengastronomie. Dazu kommt der viele Feinstaub.
Dazu kommen noch andere Probleme, bei denen Autofahrende bzw. ihre fahrbaren Untersätze eher die Schwierigkeiten noch erhöhen, statt sie zu mindern:
Die Großstädte wachsen, auf derselben Fläche wohnen heute mehr Menschen. Das verschlimmert das Platzproblem auf den Straßen.
Gleichzeitig ändert sich das Mobilitätsverhalten, vor allem das der Jüngeren. Ein Auto zu besitzen, ist vielen nicht mehr wichtig. Es steht ja fast nur herum, macht Arbeit und kostet viel.
Damit stehen wir in einem Dilemma: Carsharing könnte das Parkplatzproblem mindern, ändert aber nichts an der hemmungslosen Umweltversauung durch den Autoverkehr; Elektromobilität ist vielleicht (obwohl auch das noch nicht zu Ende gerechnet ist) umweltfreundlicher, hilft aber nicht bei der Überfüllung der Städte mit platzraubendem Blech.

Was tun?

Die CDU-Kanzlerin und ihr großgemusterter Verkehrsminister bedienen ihr Klientel und wehren sich nicht einmal gegen Betrügereien der Autoindustrie. Die Bundesregierung
hat statt sinnvoller Verkehrspolitik Lobbypolitik für klassische Autos mit Verbrennungsmotor gemacht.
Fangen wir doch schon mal lokal an und lassen das Auto, egal, ob cargeshared oder elektrobetrieben, einfach stehen - vielleicht sogar auf einem Parkplatz am Rande der Stadt?


Mittwoch, 26. April 2017

Ziemlich gebeutelt

Nicht nur, dass die Universität Greifswald im Moment durch diese unsägliche Diskussion um ihr Namenspatronat, das ihr 1933 verpasst worden ist, geschlagen wird; seit einiger Zeit hat sie auch Leute im Staff, die quasi persönlich bei der Benamsung der Universität hätten dabeisein können.

Einer von diesen hat sich ja gerade ganz besonders hervorgetan - hier nachzulesen.

Die Universität schreibt dazu auf ihrer homepage:

Stellungnahme zu Äußerungen des AfD Landtagsabgeordneten Ralph Weber
26.04.2017 
Die Universität Greifswald distanziert sich ganz entschieden von den unsäglichen Äußerungen des AfD Landtagsabgeordneten Ralph Weber auf dessen Facebookseite.
Dafür muss er sich als Privatperson und als Abgeordneter verantworten. Daher fordern wir auch die Mitglieder des Landtages Mecklenburg-Vorpommern auf, ebenso nachdrücklich den Äußerungen von Ralph Weber entgegenzutreten. 
Ralph Weber wurde 1997 an der Universität Rostock zum Professor berufen. Im Rahmen des Personalkonzeptes des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der Zielvereinbarungen mit den Hochschulen des Landes wurde er 2009 an die Universität Greifswald versetzt. 
Ralph Weber ist seit 2016 Abgeordneter der Landtages Mecklenburg-Vorpommern und entsprechend den Regelungen des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Mitglieder des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern – Abgeordnetengesetz als Hochschullehrer  beurlaubt. Seine Professur wird gegenwärtig vertreten. 
Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Jan Meßerschmidt
Presse- und Informationsstelle

Arische Leitkultur

Unsere Lokalzeitung interessieren diese Vorgänge wenig; mit der Arndt-Disklussion ist sie voll auf Linie.

Wir müssen schon in die Zeitung des Nachbarverbreitungsgebietes schauen - woran wir einmal mehr feststellen, wie schädlich es für die Meinungsbildung ist, wenn es nur ein Organ pro Verbreitungsgebiet gibt.

Der Nordkurier berichtet:

AfD-Rechtsprofessor fordert arische Leitkultur

In einem Facebook-Eintrag fordert der Greifswalder Juraprofessor und AfD-Landtagsabgeordnete Ralph Weber, dass sich "'Biodeutsche' mit zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern” dafür einsetzen, dass "unsere Heimat auch in 30 Jahren noch von einer deutschen Leitkultur geprägt und geformt wird". [...] In dem am Montag als persönliche Einschätzung des AfD-Bundesparteitags am vergangenen Samstag in Köln veröffentlichten Eintrag fordert Weber außerdem ein Ende des "Großen Austausches". [...] Dieser Begriff wurde durch die rechtsextreme, vom Verfassungsschutz beobachtete Identitäre Bewegung geprägt. Er beschreibt die Vermischung des deutschen Volkes mit ausländischen Völkern auf deutschem Boden. Weber beendet den Eintrag mit dem Slogan: "Deutschland den Deutschen". [...] In der Vergangenheit hatte Weber immer wieder durch rechtsextreme Äußerungen für Aufsehen gesorgt. Zuletzt verlangte Weber eine namentliche Registrierung von HIV-infizierten Personen in Mecklenburg-Vorpommern.
[...]
Update (25. April 2017, 22.13 Uhr): Mittlerweile hat Herr Professor Weber seinen Facebook-Eintrag geändert. Die vom Nordkurier zitierte Text-Passage "'Biodeutsche' mit zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern” wurde gestrichen, ebenso fehlt die Phrase "Deutschland den Deutschen" am Ende des Textes.


Danke, Nordkurier!

Die letzte Stunde der Wahrheit III

Diese Idee der Verbrauchermacht finden die jungen Leute natürlich gut - sie klingt ein bißchen revolutionär, ohne dass man dafür auf die Barrikaden gehen müsste, ist kapitalismuskritisch, setzt aber doch am Mechanismus von Angebot und Nachfrage an. Auch ist darin Solidarität und kollektive Aktion gefragt, der Einzelne ist also eingebettet in etwas Größeres. Die jungen Leute sprechen sich sogleich für die Umsetzung dieser Verbrauchermacht aus, also für einen Mechanismus, mit dem man kollektive Wirkungen erzielen kann. Auf Nachfrage aber erfährt man, dass sie die Milch eben nicht im Bioladen kaufen, der sie von einem "Fairtrade"-Netzwerk bezieht und die in der Region wirtschaftenden Bauern angemessen(er) bezahlen kann. Sie kaufen - bei Aldi. Selbstverständlich würden sie einen Boykott mitmachen, aber faktisch könnten sie sich ihn nicht leisten. Schließlich hätten sie als Studierende eben nicht viel Geld, die Mieten in Städten, München besonders, seien exorbitant, Bachelor-Studiengänge ließen kaum mehr Zeit fürs Jobben, und am Ende handle es sich beim durchgespielten Beispiel ja auch nur um ein Detailproblöem. Die viel schlimmeren Auswüchse des Kapitalismus seien ja nicht in der Milch-, sondern in der Finanzwirtschaft zu beobachten, und erst einmal müsste man die Banker dazu bekommen, nicht so gierig, egoistisch und bonusorientiert zu sein.

Die letzte Stunde der Wahrheit : Kritik der komplexitätsvergessenen Vernunft / Armin Nassehi. Neue Ausgabe. Hamburg: Sven Murmann Verlagsgesellschaft 2017. ISBN: 978-3-946514-58-9

Schutzmaßnahmen für Bäume in Baustellenbereichen XXII

nach RAS-LP 4 (Richtlinien für die Anlage von Straßen - Teil: Landschaftspflege, Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen)

Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei IX

Sei freundlich zu unserer Sprache.

Vermeide die Phrasen und Schlagworte, die jeder andere verwendet. Erfinde deine eigene Sprechweise, selbst wenn du nur das vermitteln willst, was in deinen Augen jeder sagt. Bemühe dich, dich vom Internet fernzuhalten. Lies Bücher.

(Timothy Snyder: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn, München: Beck 2017 (C. H. Beck Paperback 6292), ISBN: 978-3-406-71146-6)

Alles für die schwarze Null im Landeshaushalt

Wir hatten auch schon einmal bei unserer Finanzverwaltung nachgefragt, aber nur höchst beschwichtigende Antworten bekommen. Wir mussten übrigens drei Mal nachfragen, um die untige Antwort zu erhalten...


Nun traut sich ein CDU-Bürgermeister an die Öffentlichkeit:
Gemeinden und Landkreise in Mecklenburg- Vorpommern fühlen sich von der Landesregierung um Finanzzuweisungen in Millionenhöhe betrogen. „Das Land hat sich in den Jahren, die als Bemessungsgrundlage für die kommunalen Zuschüsse im Rahmen des Finanzausgleiches gelten, immer ärmer gemacht als in den übrigen Jahren“, kritisiert Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU).
Die Gutsherren in Schwerin verteilen gerne goldene Geschenke, um Sympathiepunkte zu kassieren, statt die Kommunen (oder auch die Theater!) auskömmlich zu finanzieren.

Aber die GroKo ist ja so zufrieden mit sich...


Dienstag, 25. April 2017

Die letzte Stunde der Wahrheit II

Welches Problem ich auch immer mit den Studierenden diskutiere - den Klimawandel, ökologische Gefährdungen, soziale Ungleichheit oder Gerechtigkeit und die angemessene Verteilung von Gütern und Lebenschancen, Dikriminierungen und Interessendivergenzen -, stets wundern sie sich darüber, warum die Lösung der Probleme so schwierig ist. Das Ökologieproblem wäre doch durch Einsicht in Verzichtsformen einfach zu erledigen. Auch Solidarität mit den Schwächeren setze nur einen freiwilligen Verzicht der Stärkeren voraus. Eine angemessene Verteilung von Gütern müsste staatlicherseits geregelt werden können, und wenn Produzenten solche Produkte herstellen würden, die man wirklich braucht, dann würde alles besser gehen. Und wenn sie darauf hingewiesen werden, dass ihr im kalifornishcen Cupertino ausgedachtes Smartphone für sie nur deshalb erschwinglich ist, weil man bei der Fertigung auf Löhne zurückgreift, die eben nicht denen in Kalifornien oder Oberbayern entsprechen, dann kommt zumeist die Reaktion, dass sich ja doch nichts ändern würde, wenn der Einzelne hier Verzicht leisten würde. Und wenn sie dann weiter mit der Idee konfrontiert werden, dass die viel niedrigeren Löhne in ärmeren Regionen der Welt dort womöglich nicht nur Ausbeutungsfolgen, sondern auch Entwicklungsmöglichkeiten beinhalten, gerät die Ordnung des Denkens schon stark ins Wanken. 

Die letzte Stunde der Wahrheit : Kritik der komplexitätsvergessenen Vernunft / Armin Nassehi. Neue Ausgabe. Hamburg: Sven Murmann Verlagsgesellschaft 2017. ISBN: 978-3-946514-58-9

Im Ausland zum Glück kaum bekannt

Bessere Argumente als die, die Götz Aly im heutigen OZ-Interview nennt, kann man für die Ablegung des Namenspatronats für die Universität Greifswald kaum finden. Das große Interview des vor Aly knieenden eob ("Wortgewaltiger Politikwissenschaftler und Journalist") findet sich in der gedruckten Ausgabe. Online können wir nur das übliche halbverstandene und -verdaute Zeug in einem "Artikel" von eob lesen.

"Wir haben keine besseren Demokraten" titelt die OZ - das beste und das eigentlich ausschlaggebende Argument zur Ablegung des Patronats. Menschen sind, laut Lessing, "gemischte Charaktere". Daher taugen sie nicht zur ahistorischen Namensgebung für eine Universität. Gerade deswegen ist "Universität Greifswald" ausreichend - jedes Patronat bringt erneute Probleme.

Dass Götz Aly fern jeder Realität Märchen erzählt und von der aktuellen Debatte ausschließlich eine vorgefasste Meinung hat, die er ohne Überprüfung ständig erneut exekutiert, insofern genau so geschichtsvergessen argumentiert, wie er es den (ihm unbekannten) Befürwortenden der Namensablegung unterstellt, wird direkt am Anfang deutlich. Über die Befürwortenden der Namensablegung sagt er:

Dabei brauchte er nur in das Organ zu schauen, für das er sich zu einem Interview hergibt: Absolut parteiisch macht die OZ durch ihre Society-Reporterin und ihren Hochleistungsjournalisten Politik zugunsten der Namensbefürwortenden. Seitenweise bekommen letztere das Forum für ihre menschenverachtenden Leserbriefe. Allein diese zu lesen, macht deutlich (würde es selbst Götz Aly deutlich machen), dass sich nicht zwei Parteien gegenüberstehen, die sich nicht mögen, sondern dass die Arndt-Befürwortenden kübelweise Dreck über alle Welt außerhalb ihrer Wagenburg auskippen und ein Argumentationsverhalten an den Tag legen, das verdeutlicht, warum man "Dunkeldeutschland" sagt, wenn man über unsere Region spricht. Es ist leicht empirisch nachzuvollziehen, dass die Arndt-Befürwortenden die antiliberal und totalitaristisch Agierenden sind, denn da hat uns unsere Lokalzeitung mit dem Abdruck der grauenhaften Zuschriften in Gänze - ganz gegen ihren propagandistischen Willen - einen großen Gefallen getan. Der Hass- und Übelegenheitsgestus liegt eindeutig bei den Arndt-Befürwortenden - schade, Herr Aly, dass Sie sich nicht um die Sache gekümmert haben, aber trotzdem drauflosplappern. Sie passen gut in die Zeit der Alternativen Fakten!

Aly argumentiert damit, dass Arndt eben eine ambivalente Person sei. Mit diesem Argument könnten wir jeden zum Namenspatron machen - von Karl-Heinz Semmelbrösel aus Viecherow über Josef Goebbels und Erich Honecker bis hin zu Kim Jong-un. Wenn es nur um die Ambivalenz und den Diskussionsanstoß geht, wie Aly meint...

Und dann beteiligt er sich an der Rosinenpickerei. Dass Arndt Franzosenhasser sei, sei zeitbedingt, sagt Aly (und spricht ihm auch noch Berechtigung dazu aus, weil Napoleon so viele böse Dinge gemacht hat. Warum dann nicht Napoleon als Namenspatron - Ambiguität und Diskussionswürdigkeit hat Napoleon in viel größerem Maße als der drittklassige und international völlig unbedeutende Arndt!). Judenhass ist auch nicht schlimm, sagt Aly; aller Antisemitismus vor dem Holocaust ist okay, sagt Aly. Haben alle gemacht, ist daher in Ordnung, sagt Aly. Alles Negative ist zeitbedingt und damit schon entschuldigt - aber für das angeblich "Positve" ist natürlich nicht die Zeit, sondern Arndt selbst zuständig:
Ein so guter Wissenschaftler kann Aly nicht sein, wenn er die Brüche in seiner Argumentation nicht bemerkt - erst recht nicht, wenn er sie, wie ich ihm unterstelle, nicht bemerken will! Für alle diese Dinge, die Aly nennt, haben sich in der Zeit Arndts sehr viele Menschen eingesetzt; der drittklassige und international unbedeutende Arndt ist nichts weiter als ein Wellenreiter und Trittbrettfahrer. Würde sich der "wortgewaltige" Aly auch in der Sache auskennen (z. B. in der Geschichte des 19. Jahrhunderts), wüsste er das. Allerdings unterstelle ich ihm, dass er das weiß - was die Sache und Götz Aly nicht besser macht.

Eine Falschbehauptung Alys kann nur ich beurteilen, weil ja die ganzen Ossis nie aus Ossiland herausgekommen sind, und daher nicht mitreden dürfen  <Zynismus off>: Aly behauptet, Arndt sei in der BRD hoch geschätzt worden. Das ist nur teilweise richtig, überwiegend falsch. Arndt war vielleicht in der ersten Nachkriegszeit, als viele Nazis die entscheidenden Posten in der BRD besetzten, angesehen. In dieser Zeit wurden auch noch Straßen und Schulen nach ihm benannt. Auch in den entsprechenden Kreisen, die die anderen nationalistischen, geradezu chauvinistischen Romantiker schätzten, die Aly nennt, und die von den nationalkonservativen Burschenschaften auch heute noch unkritisch und ahistorisch verherrlicht werden, wurde er wegen seiner nationalistischen Ansichten "hoch geschätzt". Aber als sich auch Nichtnazis und Nichtnationalkonservative einen Anteil am öffentlichen Diskurs gegen heftigste Widerstände erkämpft hatten, ging es mit Arndts Ansehen steil bergab. Ich habe Arndt nur als Kriegstreiber, Franzosenfresser und Judenhasser kennengelernt, mit dem "Gott, der Eisen wachsen ließ" und "Der Rhein, Teutschlands Strom, aber nicht Teutschlands Grenze". So viel zum "hohen Ansehen" Arndts in der BRD.

Und weiter geht die Rosinenpickerei: Arndt hat ganz schlimme Sachen geschrieben. Aber das drücken wir in den Skat und negieren es einfach. "Unser Ernst" hat offenbar mit der historischen Person nichts zu tun, sondern ist ein Konstrukt zum Streicheln der Seele der Arndt-Befürworter.
Genau: Hitler war ein Betriebsunfall, er hatte mit dem tollen demokratischen Deutschland eigentlich gar nichts zu tun, ist irgendwie passiert, hereingeschneit, völlig unvorhersehbar und grundlos; Aly zufolge sollte die Universität eigentlich "Adolf-Hitler-Universität Greifswald" heißen - so viel Ambiguität und Diskussionswürdigkeit wie der GröFaZ hat nicht einmal Napoleon aufzubieten!

Aber wir können uns beruhigen. Götz Aly sagt selbst:

Wer außerhalb Deutschlands kennt denn Ernst Moritz Arndt?

Damit können wir zufrieden sein; das Patronat abzuschaffen, führt nur zum Herzinfarkt einiger Schreihälse und Krakeeler, ansonsten ist es sowas von unbedeutend und unwichtig, wie der berühmte Sack Reis oder - Götz Aly.

Montag, 24. April 2017

Die letzte Stunde der Wahrheit I

Bevor ich meine Argumentation beginne, sei ein Hinweis auf die jüngste Form öffentlicher Debatten erlaubt. Was wir derzeit erleben, ist eine Renaissance dessen, was man Populismus nennt. Der Begriff ist inzwischen ein politischer Kampfbegriff geworden, aber man kann ihn durch aus sozial- / politikwissenschaftlich eingrenzen. Unter Populismus wären dann solche politischen Kommunikationsformen zu verstehen, die erstens im Namen des wirklichen Volkes zu sprechen vorgeben und dabei klare Aussagen darüber machen, wer dazugehört und wer nicht, die zweitens eliten- und institutionenkritisch sind und die Geltung autoritativer Sprecher wie Wissenschaftler, Medien, Kirchenleute usw. nicht anerkennen und die, drittens, einfache Lösungen für komplexe Probleme und Fragestellungen bereithalten. (1) Letzteres ist für unser Thema von einiger Bedeutung. Der Populismus ist gewissermaßen der natürliche Gegner eines komplexitätssensiblen Denkens. Man kann sicher die These vertreten, dass Komplexität und Unübersichtlichkeit den Grund für die Renaissance des Populismus darstellen. (2)


1) Was ist Populismus? Ein Essay / Jan-Werner Müller, Berlin: Suhrkamp 2016. Sonderdruck Edition Suhrkamp. ISBN 978-3-518-12697-4

2) Die letzte Stunde der Wahrheit : Kritik der komplexitätsvergessenen Vernunft / Armin Nassehi. Neue Ausgabe. Hamburg: Sven Murmann Verlagsgesellschaft 2017. ISBN: 978-3-946514-58-9


Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei VIII

Setze ein Zeichen.

Jemand muss es tun. Es ist leicht, mit den anderen mitzulaufen. Es kann ein eigenartiges Gefühl sein, etwas anderes zu tun oder zu sagen. Aber ohne dieses Unbehagen gibt es keine Freiheit. Denk an Rosa Parks. In dem Augenblick, in dem du ein Zeichen setzt, ist der Bann des Status quo gebrochen, und andere werden folgen.

(Timothy Snyder: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn, München: Beck 2017 (C. H. Beck Paperback 6292), ISBN: 978-3-406-71146-6)

Schutzmaßnahmen für Bäume in Baustellenbereichen XXI

nach RAS-LP 4 (Richtlinien für die Anlage von Straßen - Teil: Landschaftspflege, Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen)

Die Alternative Wirklichkeit der Greifswalder Lokalredaktion der OZ

Man stelle sich vor, an einer windigen und zugigen Ecke irgendwo in Greifswald träfen sich drei Leute mit hochgeklappten Mantelkragen. Einer dieser Menschen murmelte "Wir wollen unseren Ernst behalten", und zufällig ginge die Society-Reporterin der OZ-Lokalredaktion oder ihr geistiger Bruder, der Hochleistungsjournalist, daran vorbei. Am nächsten Morgen stünde in der Greifswalder Lokalzeitung auf Seite eins: "Menschenmassen demonstrierten für die Beibehaltung des Namens der Universität. Der größte Teil der Greifswalder Bürger ist gegen die Namensablegung". Die übliche Meinungsmache der OZ eben.

Am Samstag waren 450 Menschen auf dem Greifswalder Marktplatz, um gegen Fake News und für Wissenschaft zu demonstrieren. Im Lokalteil der OZ findet sich darüber NICHT EIN EINZIGES WORT.

Wieder ein Grund, das Abo zu kündigen.

Auch die Schreihälse und Krakeeler, die Andersdenkende anprangern, diffamieren, auspfeifen und ausbuhen; die immer wieder betonen, wie wichtig ihnen die Universität sei, und wie sehr diese zu ihrer Identität gehöre:

WO WAREN DIE DENN?

Kritisches Denken und fundiertes Urteilen setzt voraus, dass es verlässliche Kriterien gibt, die es erlauben, die Wertigkeit von Informationen einzuordnen. Die gründliche Erforschung unserer Welt und die anschließende Einordnung der Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, ist die Aufgabe von Wissenschaft. Wenn jedoch wissenschaftlich fundierte Tatsachen geleugnet, relativiert oder lediglich „alternativen Fakten“ als gleichwertig gegenübergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen, wird jedem konstruktiven Dialog die Basis entzogen. Da aber der konstruktive Dialog eine elementare Grundlage unserer Demokratie ist, betrifft eine solche Entwicklung nicht nur Wissenschaftler/innen, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes.
Am 22. April 2017 werden deshalb weltweit Menschen auf die Straße gehen, um dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind.
Alle, denen die deutliche Unterscheidung von gesichertem Wissen und persönlicher Meinung nicht gleichgültig ist, sind eingeladen, sich an dieser weltweiten Demonstration für den Wert von Forschung und Wissenschaft zu beteiligen – nicht nur Wissenschaftler/innen!

Foto: Arne Wellnitz



Ich nenne hier diejenigen, die nicht für die Freiheit der Wissenschaft sind, und gebe sie zum Auspfeifen und Ausbuhen frei:

Nee, mache ich natürlich nicht. Ich heiße ja nicht Axel Hochschild...


Hier unten sind noch ein paar Fotos, die Arne Wellnitz dankenswerter Weise geschickt hat:

Freitag, 21. April 2017

Der Zug schlägt das Flugzeug

Irgendwie haben wir es schon immer gewusst; jetzt gibt es sogar eine Untersuchung darüber und ein vergleichendes Reiseportal:
Ob von Mailand nach Zürich, von Brüssel nach Frankfurt oder von Amsterdam nach Paris – auf diesen wie auch auf den übrigen 22 Strecken sind Bahnkunden früher am Ziel als Flugpassagiere. Dabei wurden an den Flughäfen je nach den dort geltenden Vorschriften 60 bis 90 Minuten Zeit für Gepäckabfertigung und Sicherheitskontrolle eingerechnet. Die im Vergleich zu Bahnhöfen meist längeren Wege zwischen Innenstädten und Flughäfen wurden nicht berücksichtigt. [...] Wer von Frankfurt am Main nach München gelangen möchte, sollte die Bahn nutzen: Der ICE benötigt 189 Minuten, mit dem Flugzeug dauert es 21 Minuten länger. Für die Strecke von Berlin nach Frankfurt braucht der Zug zwar 26 Minuten länger als das Flugzeug, die Gesamtreisedauer hängt aber auch von den Entfernungen zwischen Start- und Zielorten zu den Flughäfen und überregional angebundenen Bahnhöfen beider Städte ab.




Für die Kohlers und Matschkes dieser Welt

... ein Zitat aus der heutigen Ostssezeitung:


In diesem Sinne der Emeritus:
„Die Senatsleitung scheint die Tagesordnung so gestaltet zu haben, dass die Weichen in die Richtung Entscheidung oder Vorentscheidung schon am 19. April gestellt werden können“, sagt Exrektor Jürgen Kohler. „Das dürfte sicher sein.“
Konjunktivistische Verschleierung der Wahheitsbehauptung. Ob irgendwelche "Weichen in Richtung Entscheidung oder Vorentscheidung" "sicher" gestellt sind, kann niemand überprüfen. Aber solchen Schwachsinn in die Welt zu setzen, bedeutet, Andersdenkende zu diffamieren und zu denunzieren - und damit ist Kohler in derselben Ecke wie Axel Hochschild mit seiner Markt-Denunziation.

Arndt-Befürworter halt.

Donnerstag, 20. April 2017

Umbenennung des Blogs erforderlich?

Er hat die Größe eines Kühlschranks, arbeitet mit Solarenergie und kann jede Menge Müll schlucken.
In Greifswald stehen seit kurzem drei Papierkörbe, die gleichzeitig eine Müllpresse sind. Zwei von ihnen versehen ihren Dienst am Museumshafen Nord, ein weiterer in den Credneranlagen. Der 1,50 Meter hohe Müllbehälter hat ein Fassungsvermögen von 120 Litern, in einen normalen Papierkorb passen lediglich etwa 40 Liter.
"Wir wollen die Behälter erst einmal testen", so Dieter Schick, verantwortlich für die Verkehrs- und Grünanlagen beim Tiefbau- und Grünflächenamt. Der Vorteil liege auf der Hand: "Der Behälter schluckt jede Menge Müll und das an Plätzen, an denen sich viele Menschen aufhalten und erfahrungsgemäß viel Abfall anfällt. Vor allem Kaffee- oder Plastebecher presst er im Handumdrehen. Außerdem ist der Müll in dem geschlossenen Behälter sicher verwahrt und fliegt nicht durch die Gegend. Wir hoffen, dass sich dadurch die Sauberkeit in diesen Bereichen erhöht." Asche darf natürlich nicht eingefüllt werden, darauf wird noch einmal in großen Lettern hingewiesen.
Ist der Papierkorb voll, sendet ein Signal eine Info direkt an den Rechner von Uwe Adam, Leiter des städtischen Bauhofs. Seine Mitarbeiter übernehmen dann die Leerung. Übrigens ist der Behälter nicht nur intelligent, sondern auch höflich: nach Benutzung bedankt er sich mit einem Smiley.
Die Kosten für die Anschaffung belaufen sich auf rund 3.500 Euro je Behälter. Sollten sie sich bewähren, könnten sie künftig durchaus öfter im Stadtbild zu sehen sein.
(Pressemitteilung der UHGW)


Er hat die Größe eines Kühlschranks, arbeitet mit Solarenergie und kann jede Menge Müll schlucken.
In Greifswald stehen seit kurzem drei Papierkörbe, die gleichzeitig eine Müllpresse sind. Zwei von ihnen versehen ihren Dienst am Museumshafen Nord, ein weiterer in den Credneranlagen. Der 1,50 Meter hohe Müllbehälter hat ein Fassungsvermögen von 120 Litern, in einen normalen Papierkorb passen lediglich etwa 40 Liter.
"Wir wollen die Behälter erst einmal testen", so Dieter Schick, verantwortlich für die Verkehrs- und Grünanlagen beim Tiefbau- und Grünflächenamt. Der Vorteil liege auf der Hand: "Der Behälter schluckt jede Menge Müll und das an Plätzen, an denen sich viele Menschen aufhalten und erfahrungsgemäß viel Abfall anfällt. Vor allem Kaffee- oder Plastebecher presst er im Handumdrehen. Außerdem ist der Müll in dem geschlossenen Behälter sicher verwahrt und fliegt nicht durch die Gegend. Wir hoffen, dass sich dadurch die Sauberkeit in diesen Bereichen erhöht." Asche darf natürlich nicht eingefüllt werden, darauf wird noch einmal in großen Lettern hingewiesen.
Ist der Papierkorb voll, sendet ein Signal eine Info direkt an den Rechner von Uwe Adam, Leiter des städtischen Bauhofs. Seine Mitarbeiter übernehmen dann die Leerung. Übrigens ist der Behälter nicht nur intelligent, sondern auch höflich: nach Benutzung bedankt er sich mit einem Smiley.
Die Kosten für die Anschaffung belaufen sich auf rund 3.500 Euro je Behälter. Sollten sie sich bewähren, könnten sie künftig durchaus öfter im Stadtbild zu sehen sein.

Ach ja...

Kraftfahrer aus MV weit vorn in Flensburger „Rüpel-Datei“

114000 Einträge in einem Jahr: Platz zwei hinter Brandenburg beim Verhältnis zur Einwohnerzahl. Schwerpunkt bildet die Raserei.
 
 
Nein, ich werde nicht wieder den Fehler machen und angesichts dieser Meldung als Bär in der Großwildjägerkolonie in der Autofahrendenhochburg Greifswald von asozialen Kleinkriminellen sprechen... 
In MV leben offenbar mit die meisten Verkehrsrüpel bundesweit. Laut einer Statistik des Kraftfahr-Bundesamtes sind Kraftfahrer aus dem Nordosten Spitze, wenn es um die meisten Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei geht. 114000 Punkte verteilten Polizei und Verkehrsbehörden binnen eines Jahres wegen schwerer Verstöße im Straßenverkehr. Damit hat statistisch betrachtet jeder 14. Einwohner und jeder sechste Führerscheinbesitzer des Landes binnen zwölf Monaten einen Strafpunkt kassiert, größtenteils wegen Rasens.

Gutsherrliches Wurstessen und Amtsschimmelgebrüll des Jahres

Nachdem die Betreiberin sorgenzerfurcht und kundenabschreckend in die Kamera schaute,


konnte sie sich zunächst noch freuen:



worauf der leutselige Minister nach dem Gnadenakt eine Currywurst aß:



Nun aber dies:

Landkreis erteilt keine Betriebserlaubnis

Mängel an Imbisswagen in Zempin: Undichte Stellen und keine dauerhafte Kühlung


Ich schmeiß' mich weg...

Bienensterben



Mittwoch, 19. April 2017

Schutzmaßnahmen für Bäume in Baustellenbereichen XX

nach RAS-LP 4 (Richtlinien für die Anlage von Straßen - Teil: Landschaftspflege, Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen)

Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei VII

Sei bedächtig, wenn du eine Waffe tragen darfst

Wenn du im Staatsdienst eine Waffe trägst, möge Gott mit dir sein und dich beschützen. Aber denk daran, dass zu den Übeln der Vergangenheit auch gehörte, dass Polizisten und Soldaten eines Tages plötzlich irreguläre Dinge taten. Sei bereit, nein zu sagen.

(Timothy Snyder: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn, München: Beck 2017 (C. H. Beck Paperback 6292), ISBN: 978-3-406-71146-6)

Die Arndt-Befürwortenden halten ein Stöckchen ...

... und Eckhard Oberdörfer entblödet sich nicht, darüber zu springen.

Die OZ titelte:

Arndt-Streit: Vorentscheidung schon morgen?

Bis auf eob wissen alle Beteiligten, dass das Schwachsinn ist. Diese Titelzeile wurde ihm, machen wir den Versuch der Personifizierung, von den Emeriti, die mittlerweile mental weit vom Schuss in ihrem von allen erwünschten Ruhestand sind, Kohler und Matschke, eingeflüstert - und er druckt es!

Na ja. So kennen wir unseren eob: Versteht bestenfalls die Hälfte, macht aber Stimmung. Im Artikel muss er dann leider auch, vermutlich sehr widerwillig, schreiben:
Maria-Theresia Schafmeister [die Vorsitzende des Senats der Universität, nicht weit vom Geschehen entfernt im Ruhestand, sondern voll im Stoff stehend] beruhigt. Es gehe auf der Mittwochsitzung um eine Reihe von juristisch abgestimmten Vorschlägen zur Änderung der Grundordnung, die im Engeren Senat diskutiert werden könnten, informiert sie. „Ob und worüber dann abgestimmt wird, ergibt sich dann“, sagt die Senatsvorsitzende. In jedem Fall werde es keine Entscheidung für oder gegen einen Namen geben. „Schließlich wollen wir am Freitag danach doch noch diskutieren und dabei auch die außeruniversitäre Meinungen zu Wort kommen lassen“, sagt Schafmeister.
Aber als eob verbreite ich natürlich lieber alternative facts. Was Kohler zunächst noch im Konjunktiv äußert, wird zur Gewissheit:
„Die Senatsleitung scheint die Tagesordnung so gestaltet zu haben, dass die Weichen in die Richtung Entscheidung oder Vorentscheidung schon am 19. April gestellt werden können“, sagt Exrektor Jürgen Kohler. „Das dürfte sicher sein.“
Abo kündigen. Bald. Vorlaute Emeriti dahin abschieben, wo sie herkommen: in den Westen. Auch bald.


 


Man stelle sich vor, ...

... das Assad-Regime (das zu so etwas nachweislich sehr wohl iun der Lage ist) in Kombination mit den Russen hätte diesen Luftschlag ausgeführt ...


Gewaltenteilung in der Türkei - mit Erdogan


Der gesamte Text befindet sich hier,
der zugehörige Zeitungsartikel hier.

Donnerstag, 13. April 2017

Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei VI

Nimm dich in Acht vor Paramilitärs

Wenn bewaffnete Menschen, die stets behauptet haben, gegen das System zu sein, plötzlich Uniformen tragen und mit Fackeln und Führerbildern durch die Straße marschieren, dann ist das Ende nah. Wenn sich die führerhörigen Paramilitärs und die offizielle Polizei und das Militär vermischen, dann ist das Ende da.

(Timothy Snyder: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn, München: Beck 2017 (C. H. Beck Paperback 6292), ISBN: 978-3-406-71146-6)

Schutzmaßnahmen für Bäume in Baustellenbereichen XIX

nach RAS-LP 4 (Richtlinien für die Anlage von Straßen - Teil: Landschaftspflege, Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen)

Unsichtbar

Habe ich bei der unten abgebildeten Anzeige irgendwo das Wort "Anzeige" oder "Werbung" übersehen? Sind Zeitungen nicht dazu verpflichtet, Inserate als solche deutlich kenntlich zu machen?


Mittwoch, 12. April 2017

Zweifel

Als ich heute morgen dieses Bild in der OZ sah:


kamen mir doch leise Zweifel an der Verstandeskraft unserer Verkehrsplanenden. Wie stark hängen die eigentlich am LKW? Wieviel hat denen die Autoindustrie aufs Konto überwiesen oder was in den Kaffee geschüttet? Für eine Million Euro einen Kilometer Autobahn elektrifizieren?

Ich hätte da eine Alternative, preiswert und meistens bereits vorhanden:


Dienstag, 11. April 2017

Neues Thema +update+

So, jetzt haben wir die Verwendung von Recycling-Papier in der Stadtverwaltung durch, jetzt können wir uns einem anderen Problem widmen: Der Becherflut in städtischen Mülleimern (bzw. auf dem Boden daneben).

Ungezählte Menschen, darunter leider auch ein großer Teil der Menschen, denen man so viel Persönlichkeitsentwicklung zutraut, dass sie studieren dürfen, finden es schick, Kaffee beim Gehen (und fb-account checken) in einem Pappbecher kalt werden und besagten Becher dann von irgendsoeinem Müllmannunderdog entsorgen zu lassen, mit anderen Worten: Denken bis zur Nasenspitze, aber bitte nicht darüber hinaus! Einer Mode folgen, aber bloß nicht eigenverantwortlich handeln!

Dass das ein Problem ist, stimmt. Aber ob der "Greifswalder Becher" die Lösung ist? Ich wage, das zu bezweifeln. Carsharing und Elektromobilität sind auch nicht die Lösungen für die Verkehrsüberlastung der Städte, man wird nur geräuschlos mit einem Mietfahrzeug überfahren.

Das steht in Verbindung mit der Forderung nach häufigerer Leerung immer größerer Mülleimer in der Stadt. Dabei gibt es ausreichend Erhebungen, dass mit der Größe der Entsorgungscontainer die Menge des Mülls wächst...

Aber das Bauchgefühl entscheidet.

So ist es auch mit dem "Greifswalder Becher". Ein  kompliziertes Rücknahmesystem müsste entwickelt werden, um der einfachen zeitlichen Verzögerung des Wegwerfens zu begegnen. Der Deckel ist "aus hygienischen Gründen" sowieso nicht wiederverwendbar, muss also weggeworfen werden (wieso brauche ich überhaupt einen Deckel auf meinem Pott?). Der Pott selbst wird vielleicht nicht sofort, aber dann etwas später weggeworfen. Gibt es für das Material einen Wiederverwendungskreislauf, oder landet der Becher, wie die "umweltfreundlichen" Pseudo-Mehrweg-PET-Flaschen, in der Verbrennungsanlage? Ich befürchte, dass sich durch den Rebound-Effekt die Menge des erzeugten Mülls noch vergrößert - Konsum ohne Nachdenken und dann sogar ohne auch nur den Ansatz eines schlechten Gewissens - Kaffeetrinken für das Stadtmarketing! Hurra!

Können wir nicht vielleicht doch ein wenig Nachdenken einfordern? Muss ich mir, wenn ich morgens Brötchen hole, einen Plastikbeutel für die Papiertüten geben lassen, weil ich von der Menge der eingekauften Brötchen so überrascht bin?

Vielleicht können wir ja auch, wie beim Pfandflaschenring, unsere soziale Ader 'raushängen lassen: Wir tun was für die Alkis und die Asis in der Stadt, wenn wir den Pfand-Becher neben den Mülleimer stellen... Wir sind ja so mitfühlend: Niemand darf gezwungen werden, in Mülleimern zu wühlen!


Das grundsätzliche Problem wird dadurch nicht gelöst. Die Werbung befiehlt: Genieße für den Augenblick! Und viel zu viele fallen darauf herein. Es gibt kein vorher oder nachher, nur lauwarmen Kaffee in Pappbechern. Aufklärung tut Not! In Hinsicht auf einige wenige Umweltprobleme waren wir doch dahingehend auch schon erfolgreich. Warum nicht ein solches Modell entwickeln?
Wir sind ja alle so hippe busybodies und müssen als echte creative people wegen Zeitüberlastung durch Mehrfachjobs unseren Kaffee auf der Straße trinken - zumindest möchten wir offenbar gerne einen solchen Eindruck erwecken. Alles urban city nerds mit smart jobs und intelligent time management - das allerdings keine Pause zulässt. Ein solches Bild nach außen erzeugen zu wollen, sollten wir nicht unterstützen.

Die beste Art, einen Kaffee zu trinken, ist, sich hinzusetzen und ihn zu genießen. Sonst braucht man ihn nicht zu trinken. Auch nicht aus einem "Greifswalder Becher".

Update

Die bescheuertste Erklärung für den coffee-to-go-hype findet sich hier:

"Dabei trinken die Verbraucher in Deutschland immer häufiger Kaffee unterwegs, was der Kaffeeverband auf die bessere Wirtschaftslage zurückführt."

???


Montag, 10. April 2017

Es ändert sich gerade was

Beim Lesen der heutigen online-Ausgabe der OZ fiel mir dieser Artikel ins Auge. Die Reaktionen sind schematisch und daher langweilig: Autos sind viel gefährlicher, keine Abzocke, und was dergleichen Plattitüden und automatische Reaktionen mehr sind.

Dass die Dinosaurier aus abgelegten Zeiten, die Autos, immernoch den Verkehr und die Verkehrsplanung beherrschen, ist leider festzustellen. Noch immer gibt es die von der Autoindustrie implementierte Hirarchie in den Köpfen der Verkehrsteilnehmenden, vor allem derer mit Auto: Oben stehen Autos. Dann folgen Autos, dann Autos - und dann das übrige, den Verkehr störende und aufhaltende Kroppzeug wie z. B. Fußgehende und Radfahrende. Und so verhalten sich auch viele, noch immer zu viele autofahrende Verkehrsteilnehmende. Man kann es minütlich in Greifswalds Straßen beobachten. Betonhirne.

Und die begegnen dann jungen Küken, die noch nicht begriffen haben, dass Mama Ente nicht mehr vornewegfährt, und z. B. auf dem Rad ihren fb-account checken; die es nicht nötig haben, Handzeichen zu geben, wenn sie abbiegen wollen; die in der stark bevölkerten Einkaufsstraße unbedingt noch mit dem Rad fahren müssen; die auf dem Fussweg fahren (selbst entlang einer Fahrradstraße); die konsequent auf der linken Seite fahren (sogar auf der Straße!), auch wenn rechts ein Radweg ist; die den noch schwächeren, den Fußgehenden, den Raum abspenstig machen; die ihr Fahrrad hirnlos abstellen, auch wenn Menschen mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator sich dann nicht mehr bewegen können; die ohne Licht fahren; die im Pulk an der Ampel starten und weiterfahren und jeglichen Widerstand plattmachen - mit einem Wort: sich in keiner Weise besser verhalten als Autofahrende. Man kann es minütlich in Greifswalds Straßen beobachten. Junge Betonhirne.


Eine neue Verkehrspolitik ist nötig. Eine andere Infrastruktur, denn nur diese liegt in den Händen der Stadt und der Bürgerschaft. Weg von der Dominanz des Autos sollte an oberster Stelle stehen, und jede Maßnahme, die die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs* befördert, ist zu planen und umzusetzen. Manchmal ist es die Trennung der Verkehrsarten, manchmal die bewußte Vermischung - Standardlösungen gibt es nicht. Das dumme und asoziale Verhalten der Verkehrsteilnehmenden kann eine Stadt, kann eine Bürgerschaft nur in geringem Umfang beeinflussen. Aber die Voraussetzung dafür schaffen, dass dumme und asoziale Verkehrsteilnehmende nicht das Verkehrsgeschehen bestimmen, dafür kann die Verkehrsplanung eine Menge tun!

Trotz farblicher Voraussetzungen sehe ich davon in Greifswald noch nicht viel - im Gegenteil.

*§ 3 (1) der Seeschifffahrtsstraßenordnung: "Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs gewährleistet und dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird."

Ausschnitt aus einem Bild auf dem Fleischervorstad-Blog







Schutzmaßnahmen für Bäume in Baustellenbereichen XVIII

nach RAS-LP 4 (Richtlinien für die Anlage von Straßen - Teil: Landschaftspflege, Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen)

Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei V

Denk an deine Berufsehre

Wenn politische Führer ein negatives Vorbild abgeben, wird die professionelle Verpflichtung auf gerechte Praxis umso wichtiger. Es ist schwer, einen Rechtsstaat ohne Anwälte aus den Angeln zu heben oder Schauprozesse ohne Richter abzuhalten. Autoritäre Führer brauchen gehorsame Beamte, und wer ein Konzentrationslager betreibt, sucht nach Unternehmern, die an billigen Arbeitskräften interessiert sind.

(Timothy Snyder: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn, München: Beck 2017 (C. H. Beck Paperback 6292), ISBN: 978-3-406-71146-6)

Manchmal zeigt Einsatz auch ein wenig Erfolg - in der Sache

Sehr geehrter Nutzer/sehr geehrte Nutzerin des Online-Portals „Klarschiff“,

vielen Dank für Ihre Zuarbeit und Ihr Interesse. Da eine ausführliche Beantwortung in dieser Form über das Online-Portal „Klarschiff“ technisch nicht möglich ist, erhalten Sie die umfassenden Informationen in Form dieser E-Mail.
Ihr Anliegen haben wir gemeinsam mit den zuständigen Behörden und Fachämtern erörtert und möchten Ihnen im Ergebnis folgende Informationen zur Kenntnis geben:

Die Fällung der Alleebäume erfolgte auf Antrag der Universitäts- und Hansestadt Greifswald unter Beteiligung der anerkannten Naturschutzverbände. Im Zuge des Verfahrens wurden Gutachten von Baumsachverständigen eingereicht. Der Ausgleich wird durch die Anpflanzung von 6 Stieleichen an der Wolgaster Straße erbracht. Die verbleibenden Bäume wurden nach einem aktuell erbrachten Baumgutachten als standsicher beurteilt und werden erhalten.
Der Bauherr wurde durch das Tiefbau- und Grünflächenamt mehrfach mündlich und schriftlich aufgefordert, Missstände bezüglich des Baumschutzes zu beseitigen und ist dieser Aufforderung im Wesentlichen bereits nachgekommen. Der Stammschutz wurde überall nachgerüstet und der Bauzaun wurde versetzt, so dass die Überfahrung der Wurzelbereiche durch Baufahrzeuge nun ausbleibt. Weiterhin finden durch die Verkehrskontrolleure und die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes verstärkt Kontrollen statt.
Nach Abstimmungen zwischen der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Ingenieurbüro sollen Wurzelbrücken (System „Arbor Grid“ von Greenleaf) in der gesamten Gehwegbreite, lückenlos entlang der Baumreihe, verbaut werden. Die Wurzelbrücken sind inzwischen bestellt und werden voraussichtlich Anfang April 2017 eingebaut. Aufgrabungen im Wurzelbereich der Bäume können so größtenteils vermieden werden. Zum Schutz der Wurzeln der Linden wird das bestehende Betonpflaster des Gehwegs vorerst an Ort und Stelle belassen und erst kurz vor Einbau der Wurzelbrücken aufgenommen. Das Tiefbau- und Grünflächenamt hat den Bauherren bereits mittels schriftlicher Auflage angewiesen, die Beräumung der Gehwegplatten in ausschließlicher Handarbeit durchzuführen. Auch die Untere Naturschutzbehörde hat dem Bauherren diesbezüglich umfangreiche Auflagen erteilt. Der Bauherr wurde sowohl durch die Universitäts- und Hansestadt Greifswald als auch die Untere Naturschutzbehörde schriftlich aufgefordert, sämtliche Arbeiten den Gehweg betreffend durch die Umweltbaubegleitung überwachen und protokollieren zu lassen. Dem Tiefbau- und Grünflächenamt ist sehr daran gelegen, die Linden zu erhalten und die notwendigen Baumaßnahmen so eingriffsminimierend wie möglich zu gestalten. Das Tiefbau- und Grünflächenamt führt regelmäßig vor-Ort-Kontrollen durch und befindet sich in enger Abstimmung mit der Bauleitung.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag


Angela Möller
Sachbearbeiterin Anliegenmanagement

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Universitäts- und Hansestadt Greifswald
Der Oberbürgermeister

Rechtsamt
Abteilung Ordnungsangelegenheiten/Anliegenmanagement


Ich kann es bald nicht mehr hören

Bei größeren Bauvorhaben, die in bereits lange besiedelten Bereichen stattfinden, braucht ein Haus nicht nur Wände und ein Dach, sondern mit Beginn der Bauarbeiten müssen auch die Archäolog_innen 'ran. Obwohl es den alten Grundsatz gibt, dass ein Bodendenkmal am besten im Boden untergebracht ist, denn jede Ausgrabung ist auch eine Zerstörung, müssen sie, gezwungen durch den Profit- und Neubautrieb der Gegenwart, die Vergangenheit dokumentieren. Natürlich kann man, wie in DDR-Zeiten, auch alles bedenkenlos "auskoffern" und auf die Bauschutt-Deponie fahren - aber will diese Zeiten wirklich jemand zurück haben?

Der Bauwirtschaft wäre komplette Deregulierung am liebsten. Beton, Steine, Dachziegel, ein paar Strippen, Fenster und Geröhre - fertig ist die Kiste. Auf dem Stand sind scheinbar auch immer noch Planer. Warum sonst würde immer von Verzögerungen gesprochen, wenn es um die Archäologie geht, nie aber, wenn der Beton trocknen muss?

Dasselbe betrifft das Stöhnen beispielsweise über geschlechtergerechte Sprache. Kaum ein Gesetzestext, kaum eine öffentliche Äußerung berücksichtigt die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung weiblichen Geschlechts ist. "Der Vorsitzende Karin Mustermann" fällt noch immer niemandem so richtig auf. Sprache wird hässlich und umständlich, heißt es immer, meistens von Männern. Auch hier gilt: Es reicht nicht, mehr oder weniger verständliche Wörter zu brabbeln - genauso, wie es Subjekt, Prädikat und Objekt gibt, gibt es mindestens ZWEI Geschlechter. Erst wenn man das im Nachhinein nachbasteln muss, gibt es Probleme.

Und nun dies:
Alles in allem wird es 750 Radstellplätze geben, davon 120 überdacht. In Richtung Ryck gibt es 24 Stellplätze. Der Innenhof des Campus ist autofrei. Eine so große Zahl von Radfahrern stellt auch die Verkehrsplaner vor Herausforderungen.
Welche Überraschung! Es gibt Radfahrende! Die brauchen Bügel, um ihr Rad abzustellen und anzuschließen! Wer hätte das gedacht? Die Planer haben es scheinbar wieder mal nicht berücksichtigt. Beton in den Boden, aufmauern, ein paar Strippen, Fenster und Geröhre, Dach drauf - zu mehr Planungsleistung sind Planer offenbar nicht in der Lage, zumindest ist alles, was darüber hinausgeht, schon eine "Herausforderung"! Verweigert den Leuten die Kohle, wenn sie bereits an solchen einfachen Dingen scheitern.

Mal so nebenbei gefragt: 750 Autoparkplätze in der Innenstadt wären keine „Herausforderung"?