Dienstag, 11. April 2017

Neues Thema +update+

So, jetzt haben wir die Verwendung von Recycling-Papier in der Stadtverwaltung durch, jetzt können wir uns einem anderen Problem widmen: Der Becherflut in städtischen Mülleimern (bzw. auf dem Boden daneben).

Ungezählte Menschen, darunter leider auch ein großer Teil der Menschen, denen man so viel Persönlichkeitsentwicklung zutraut, dass sie studieren dürfen, finden es schick, Kaffee beim Gehen (und fb-account checken) in einem Pappbecher kalt werden und besagten Becher dann von irgendsoeinem Müllmannunderdog entsorgen zu lassen, mit anderen Worten: Denken bis zur Nasenspitze, aber bitte nicht darüber hinaus! Einer Mode folgen, aber bloß nicht eigenverantwortlich handeln!

Dass das ein Problem ist, stimmt. Aber ob der "Greifswalder Becher" die Lösung ist? Ich wage, das zu bezweifeln. Carsharing und Elektromobilität sind auch nicht die Lösungen für die Verkehrsüberlastung der Städte, man wird nur geräuschlos mit einem Mietfahrzeug überfahren.

Das steht in Verbindung mit der Forderung nach häufigerer Leerung immer größerer Mülleimer in der Stadt. Dabei gibt es ausreichend Erhebungen, dass mit der Größe der Entsorgungscontainer die Menge des Mülls wächst...

Aber das Bauchgefühl entscheidet.

So ist es auch mit dem "Greifswalder Becher". Ein  kompliziertes Rücknahmesystem müsste entwickelt werden, um der einfachen zeitlichen Verzögerung des Wegwerfens zu begegnen. Der Deckel ist "aus hygienischen Gründen" sowieso nicht wiederverwendbar, muss also weggeworfen werden (wieso brauche ich überhaupt einen Deckel auf meinem Pott?). Der Pott selbst wird vielleicht nicht sofort, aber dann etwas später weggeworfen. Gibt es für das Material einen Wiederverwendungskreislauf, oder landet der Becher, wie die "umweltfreundlichen" Pseudo-Mehrweg-PET-Flaschen, in der Verbrennungsanlage? Ich befürchte, dass sich durch den Rebound-Effekt die Menge des erzeugten Mülls noch vergrößert - Konsum ohne Nachdenken und dann sogar ohne auch nur den Ansatz eines schlechten Gewissens - Kaffeetrinken für das Stadtmarketing! Hurra!

Können wir nicht vielleicht doch ein wenig Nachdenken einfordern? Muss ich mir, wenn ich morgens Brötchen hole, einen Plastikbeutel für die Papiertüten geben lassen, weil ich von der Menge der eingekauften Brötchen so überrascht bin?

Vielleicht können wir ja auch, wie beim Pfandflaschenring, unsere soziale Ader 'raushängen lassen: Wir tun was für die Alkis und die Asis in der Stadt, wenn wir den Pfand-Becher neben den Mülleimer stellen... Wir sind ja so mitfühlend: Niemand darf gezwungen werden, in Mülleimern zu wühlen!


Das grundsätzliche Problem wird dadurch nicht gelöst. Die Werbung befiehlt: Genieße für den Augenblick! Und viel zu viele fallen darauf herein. Es gibt kein vorher oder nachher, nur lauwarmen Kaffee in Pappbechern. Aufklärung tut Not! In Hinsicht auf einige wenige Umweltprobleme waren wir doch dahingehend auch schon erfolgreich. Warum nicht ein solches Modell entwickeln?
Wir sind ja alle so hippe busybodies und müssen als echte creative people wegen Zeitüberlastung durch Mehrfachjobs unseren Kaffee auf der Straße trinken - zumindest möchten wir offenbar gerne einen solchen Eindruck erwecken. Alles urban city nerds mit smart jobs und intelligent time management - das allerdings keine Pause zulässt. Ein solches Bild nach außen erzeugen zu wollen, sollten wir nicht unterstützen.

Die beste Art, einen Kaffee zu trinken, ist, sich hinzusetzen und ihn zu genießen. Sonst braucht man ihn nicht zu trinken. Auch nicht aus einem "Greifswalder Becher".

Update

Die bescheuertste Erklärung für den coffee-to-go-hype findet sich hier:

"Dabei trinken die Verbraucher in Deutschland immer häufiger Kaffee unterwegs, was der Kaffeeverband auf die bessere Wirtschaftslage zurückführt."

???


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