Montag, 24. April 2017

Die letzte Stunde der Wahrheit I

Bevor ich meine Argumentation beginne, sei ein Hinweis auf die jüngste Form öffentlicher Debatten erlaubt. Was wir derzeit erleben, ist eine Renaissance dessen, was man Populismus nennt. Der Begriff ist inzwischen ein politischer Kampfbegriff geworden, aber man kann ihn durch aus sozial- / politikwissenschaftlich eingrenzen. Unter Populismus wären dann solche politischen Kommunikationsformen zu verstehen, die erstens im Namen des wirklichen Volkes zu sprechen vorgeben und dabei klare Aussagen darüber machen, wer dazugehört und wer nicht, die zweitens eliten- und institutionenkritisch sind und die Geltung autoritativer Sprecher wie Wissenschaftler, Medien, Kirchenleute usw. nicht anerkennen und die, drittens, einfache Lösungen für komplexe Probleme und Fragestellungen bereithalten. (1) Letzteres ist für unser Thema von einiger Bedeutung. Der Populismus ist gewissermaßen der natürliche Gegner eines komplexitätssensiblen Denkens. Man kann sicher die These vertreten, dass Komplexität und Unübersichtlichkeit den Grund für die Renaissance des Populismus darstellen. (2)


1) Was ist Populismus? Ein Essay / Jan-Werner Müller, Berlin: Suhrkamp 2016. Sonderdruck Edition Suhrkamp. ISBN 978-3-518-12697-4

2) Die letzte Stunde der Wahrheit : Kritik der komplexitätsvergessenen Vernunft / Armin Nassehi. Neue Ausgabe. Hamburg: Sven Murmann Verlagsgesellschaft 2017. ISBN: 978-3-946514-58-9


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