Montag, 11. September 2017

Wahlkampf und Krawallberichterstattung

Vielleicht war es nicht besonders clever, ein so populismusverdächtiges Thema kurz vor den Bundestagswahlen auf die Tagesordnung des Kommunalparlamentes zu bringen. Und vielleicht darf der Krawalljournalismus eben vor dieser Bundestagswahl noch einmal zu einer letzten Blüte kommen.

Wir hatten diese Art von skandalisierenden Überschriften schon öfter. Nein, die Parteien "kämpfen" nicht, sie sind nur zu spät wach geworden. Die SPD hatte dem Beschluss im Hauptrausschuss bereits zugestimmt, ohne die populistischen Chancen dieses Themas zu bemerten. Erst Erik von Malottki, der solche Themen gern besetzt, wurde, viel zu spät, des Potentials angesichtig und ist jetzt gegen die Erhöhung. Die anderen Parteien waren schon früher im Wahlkampfmodus.

Ich glaube, nachdem das Thema Anlass zu, wie die OZ schreiben würde, "Redeschlachten" in der Bürgerschaft geboten haben wird, wird es leider für eine vernünftige kommunalpolitische Abwägung verbrannt sein.

Nein, die Parteien "kämpfen" nicht um die Pachten oder für das Wohl der in Greifswald Wohnenden. Sie kämpfen um die Stimmen der Wählerinnen und Wähler am 24. September.



Gemeinsame Ursache

Richtig Fahrt nahm der Grünen-Parteitag nach Meinung von Beobachtern allerdings nicht auf. Der Beginn musste verschoben werden, weil von den knapp 100 stimmberechtigten Delegierten aus den Kreisen gerade mal die Hälfte anwesend waren, später 60. Claudia Müller, die in zwei Wochen über die Landesliste die neue „grüne Stimme“ für MV im Bundestag werden will, räumte ein: Das Ausscheiden aus dem Landtag im Vorjahr stecke den Parteimitgliedern noch in den Knochen
schreibt die heutige OZ über die von kaum jemandem wahrgenommenen Landesdelegiertenkonmferenz der Grünen in Greifswald, die nur haarscharf über das Limit zur Beschlussfähigkeit kam. Wo ist der Kreisverband? Wo sind die Aktionen auf dem Greifswalder Markt, in Lubmin beim "Zwischen"-, in Lassan beim Güllelager, bei der Anklamer Rübenfabrik mit den fehlgeleiteten Abwässern?

Dass die Grünen nicht mehr auffallen, liegt natürlich auch an ihrer Nichtexistenz im Landtag. Die Ursache dafür wiederum ist aber das Einschwören des Landesverbandes auf die konservativen und Mainstream-Ziele. Die Grünen wollen auf den Gebieten aktiv werden, die die anderen Parteien im Land bereits besetzt haben - zwei Erscheinungen (Rausflug aus dem Landtag und unauffälliger Parteitag) mit derselben Ursache. Hallo, aufwachen!


Freitag, 8. September 2017

Mikrozensus kann tödlich sein

Ein Gastbeitrag von B. Echrecher. Vielen Dank dafür.


In der güldenen Mitte des Jahres, ging er um und verstopfte unzählige Briefkästen: der Mikrozensus, Menschen älteren Semesters noch als Volkszählung bekannt. Ich gebe zu, daß das Ausfüllen lästig ist. Es reicht nicht, sich gegenüber den Lebensunterhalt sichernden Behörden und Ämtern nackt zu machen. Der Wahrheitsgehalt einer solchen Erhebung, zweifelhaft. Zumindest kenne ich keinen, der dieses investigative Druckwerk tatsächlich besten Wissens und Gewissens ausfüllt. Lieblingsantwort:  „Keine Angabe“. Was ist eine Erhebung wert, deren Angaben im Zweifel nach dem Prinzip „Ippchen, Dippchen, Silberklippchen“ beantwortet werden? An mir ging der Kelch in diesem Jahr vorüber. Dachte ich. Ich durfte bereits letztes Jahr kostbare Lebenszeit mit diesem Mahnmal sterbender Bäume verschwenden.

Gerne schwelge ich in alten Zeiten. Damals in den 1980er Jahren, in denen wir uns in der Kommune gegenseitig mit weltbesten Anti-Volkszählungsplakaten zu übertrumphen versuchten. Kreative Warnschilder mit selbstgemalten Bildern und Aufschriften: „Unser Yorkie frißt Volkszähler zum Frühstück.“ oder „In diesem Haus verirrten sich bereits 5 6 7 8 Volkszähler.“ oder „Glaub uns einfach: 12 Große, 4 Kleine, 8 Hunde, 24 Katzen, 2 Hamster, 12 Ratten, 7 Meerschweinchen, fünf Dutzend Spinnen, hunderte Milben, tausende Frucht- und Schmeißfliegen, wir haben die Kreuzfeldfüllenwirnicht-Krankheit, 7 Kasten Bier und 3 Flaschen Pfeffi.“
In der Tat haben wir in unserem Haus nie einen Volkszähler gesehen. 

Trau schau wem


Studie Lehrer wissen wenig über Medien

Lehramtsstudenten schätzen Mediennutzung der Schüler falsch ein: Studie der Stiftervereinigung der Presse kommt zu alarmierenden Zahlen.


heißt es heute in der OZ.

Und etwas später im selben Artikel:
Befragt wurden 83 Studierende aus NRW, Berlin und Sachsen.
 Dazu sagt Wikipedia:
Im Wintersemester 2003/2004 studierten rund 210.000 Studierende in einem Lehramtsstudiengang. Das entspricht etwa 10 Prozent aller Studierenden.
Tja, bei der Stichprobe dürfte angesichts der Population die Validität tendenziell gegen null gehen. Wer hat da jetzt welche Fähigkeit und wer nicht?











Donnerstag, 31. August 2017

Arbeitskreis Oberzentrum, Region, Umland

Sehr geehrte Mitglieder,

ich möchte Sie hiermit zu einer weiteren Sitzung des Arbeitskreises Oberzentrum, Region, Umland am
Dienstag, den 10.10.2017 von 16:00-18:00 Uhr im Stadthaus, Raum A 202 einladen.
Der Beratungsraum befindet sich im Stadthaus (ehemalige Post), im Altbau, in der 2. Etage.

Herr Kammann von der WFG hat sich bereit erklärt, über wirtschaftliche Themen der Region zu referieren.
Daneben können wie immer aktuelle Themen der Stadt und der Region angesprochen und Informationen ausgetauscht werden.

Da der Arbeitskreis ein offenes Gremien für die Stadt-Umland-Zusammenarbeit sowie für regionale Themen ist,  können Sie die Einladungen  gern an weitere Interessierte weiterreichen.
Über Ihre Teilnahme würden wir uns freuen.

Mit freundlichen Grüßen
i. A.
Annette Ibendorf


Universitäts- und Hansestadt Greifswald
Der Oberbürgermeister

Stadtbauamt
Abteilung Stadtentwicklung/ Untere Denkmalschutzbehörde

US-amerikanische Freiheit

Allen denjenigen, die sich nach wie vor Deregulierung, Neoliberalismus und "Freie Fahrt für freie Bürger!" auf die Fahnen geschrieben haben, sei der heutige OZ-Leitartikel ans Herz gelegt: Zum Glück haben wir bisher alle diejenigen vehindern können, die US-amerikanische Zustände in Europa einführen wollten!

Montag, 28. August 2017

Helikoptereltern und Elterntaxis

Im Spon können wir lesen:
Als "Katastrophe für die Eigenverantwortung der Kinder" beschreibt der Neusser Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch die Folgen der Elterntaxis. Die Verkehrssicherheit sei dabei noch das kleinere Problem. Viel schwerwiegender sei, dass die Eltern ihren Kindern den Schulweg einfach nicht zutrauten: "Damit vermasseln sie Erfahrungen, die die Kinder unbedingt machen sollten."
Der Pädagoge meint: den gemeinsamen Weg in der Gruppe, sich gegenseitig Geschichten zu erzählen, vielleicht auch mal einen kleinen Umweg zu machen, auf diese Weise das Areal zwischen Wohnung und Schule kennenzulernen oder auch mal einen Streich zu spielen. Das alles werde den Kindern vorenthalten - aus Bequemlichkeit und Angst.
Um die Konsequenzen zu verdeutlichen, berichtet Wunsch vom Beispiel einer Hamburger Schule, die den Kindern Hitzefrei geben wollte. Die Umsetzung sei daran gescheitert, dass zu viele Schüler noch nie allein nach Hause gegangen seien und den Weg einfach nicht gekannt hätten.
Dabei, sagt Albert Wunsch, hätten Studien auf dramatische Weise deutlich gemacht, wie überbehütend viele Eltern seien: 60 Prozent der Kinder, die gefahren werden, haben demnach einen Schulweg von weniger als 800 Metern.
Der Artikel ist ein Plädoyer für die Vollsprerrung der betreffenden Straße, an der die Schule liegt, für die Zeit, die die Elternhelikoptertaxis zum Einflug benutzen. Gleichzeitig gibt es einen "Kiss & Fly"-Bereich, der den Schüler_innen wenigstens eine minimale Strecke übrig lässt, um für ein paar Minuten aus den Fängen der Eltern zu greraten, bevor es in die der Lehrer_innen geht. Für die Kollwitz-Schule käme z. B. der Parkplatz Loefflerstraße / Ecke Hansering in Betracht.

Kinder sind Menschen. Keine zu behütenden Einhörner.

Und so etwass Brachiales wie eine Ampel einzurichten, noch ehe es ein Verkehrskonzept gibt, ist einfach Schwachsinn - selbst, wenn man der Meinung ist, dass alles, was das Autofahren unbequem macht, der Innenstadt dient...


Massentierhaltung

Zuchtsauen sind nach den Worten des agrarpolitischen Sprechers der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Wolfgang Weiß, arme Schweine. Sie würden üblicherweise in Kastenständen gehalten und seien rund 80 Prozent ihres Lebens eingesperrt. „Dieser Missstand, dieses Leid der Tiere, muss endlich beseitigt werden“,
steht heute in der Zeitung. Finden wir auch.