Freitag, 24. Februar 2017

Gründe für die Kündigung des Abonnements II

So langsam ist die morgendliche Lektüre kein Spaß mehr. Bis jetzt habe ich in den vier Minuten, die ich für unseren lokalen Schweinepreisanzeiger brauche, viel lachen können.

Ich beginne mit einer Sammlung von Gründen, das Abonnement zu kündigen.

In der heutigen Greifswalder Lokalausgabe der OZ wirkt die Zeitung nicht als journalistische Berichterstatterin, sondern sie agiert meinungsbildend im eigenen Interesse (welches immer das auch ist; Journalismus ist es nicht). Einerseits bedauert die Greifswalder Lokalredaktion die "tiefen Gräben" in der Greifswalder Bevölkerung und zwischen Uni und Stadt, die die Invektiven ihrer eigenen Leserbriefseite und die Hassartikulation in den unsozialen Medien ausgehoben haben, andererseits vertieft sie die Gräben noch durch ihre (in richtigen Zeitungen würde es heißen:) Berichterstattung bzw. den Meinungsartikel, der den größten Teil der ersten Seite der heutigen Lokalausgabe einnimmt.

Soll sie machen; sie wird schon wissen, welch' progressives und aufgeklärtes Publikum sie damit anspricht und verzweifelt im Abonnement zu halten sich bemüht.

Aber die angedrohte Umfrage zum Thema Uninamen ist dann doch einer für die Kündigungsgrundsammlung. Wie schon einmal bei der Frage der Radverkehrsregelung gegen die Wand gefahren behält sie das Prinzip bei:

Es werden

Festnetzangeschlossene
morgens um zehn
in den Semesterferien

befragt.

Zudem werden, unzulässig und in der Art übelsten Agitprops, zwei Dinge miteinander verknüpft:

Abgesehen davon, dass dieses desinformierende Element miesester Meinungsmache bei der online-Umfrage gar nicht auftaucht, werden hier, wie bei Pegida, AfD und Konsorten, postfaktisch Dinge miteinander verknüpft, die nichts miteinander zu tun haben, aber kräftig Meinung machen.

Zudem müssen die progressiven und aufgeklärten OZ-Lesenden noch mit Rossmann-Gutscheinen zur Teilnahme überredet werden:
Sagen Sie uns Ihre Meinung und sichern Sie sich einen von zwei 30€-Gutscheinen von Rossmann!
Das Ergebnis braucht die OZ eigentlich nicht mehr zu veröffentlichen, es liegt auf der Hand. Die Zielgruppe, für die die OZ schreibt, und die als Lesende (und Zahlende) zu halten sie sich verzweifelt bemüht, wird die Fragen schon richtig beantworten und damit erstens sich selbst und zweitens die OZ bestätigen.

Dafür muss ich keine Zeitung OZ lesen.


Gründe für eine Kündigung des Abonnements I

So langsam ist die morgendliche Lektüre kein Spaß mehr. Bis jetzt habe ich in den vier Minuten, die ich für unseren lokalen Schweinepreisanzeiger brauche, viel lachen können.

Heute beginne ich mit einer Sammlung von Gründen, das Abonnement zu kündigen.

Der erste ist die überragende Intelligenzleistung des "Guten Tag, liebe Leser!", die, zugegebenermaßen, meine intellektuellen Kapazitäten sprengt. Eine junge, aufgeweckte Redaktionsmitarbeiterin mokiert sich, in Anlehnung an den ihren Kollegen Hochleistungsjournalisten, der die Existenz von weiblichen Studierenden in seiner Schreibe ständig unterschlägt, über die Bemühungen der Universität Greifswald, auch Frauen als Studierende zu berücksichtigen und zu benennen. In ihrem hochintelligenten Beitrag schrieb sie u. a.:
An der Universität Greifswald hat sich die Linie durchgesetzt, in offiziellen Schriftstücken „Studierende“ zu sagen.
Dazu ist zu sagen, dass die Schreiberin so herausragend intelligent ist, dass sie sich über den Fakten schweben zu dürfen erlaubt. Als gutes Presseorgan ist die OZ natürlich - durchaus im Sinne ihrer Leser (ohne weibliche Lesende, laut Überschrift der Kolumne) - im postfaktischen Zeiten angekommen und schert sich nicht mehr um Tatsachen, die ja schließlich die Rest- zur Lügenpresse machen. Die Kleinigkeit, dass es eine Verwaltungsvorschrift über den Sprachgebrauch im öffentlichen Dienst des Landes gibt, derzufolge beim offiziellen Schreiben die weibliche Hälfte der Menschheit nicht unterschlagen werden darf, braucht die Hochintelligenz natürlich nicht zu interessieren, sie kann das, recherchefrei, auf die Universität Greifswald beschränken. Um der Intelligenz die Recherche abzunehmen: Hier sind die Anweisungen gebündelt, die der öffentliche Dienst, und damit auch die Universität Greifswald, im offiziellen Sprachgebrauch zu berücksichtigen hat.

Aber ich sehe ein: Wer eine gerechte Bemühung lächerlich machen will, kümmert sich nicht um schnöde Fakten, das ist ja so was von langweilig und unemotional, mit einem Wort: uncool. Damit kann man keine Zeitung wie die OZ machen.

Im selben Beitrag macht sich die hochintellektuelle Redakteurin dann über Minderheiten her, um sie ebenfalls zumindest lächerlich zu machen, wenn nicht gar für nicht existent zu erklären. An einer Hochschule in Berlin hat sie Toiletten entdeckt, die weder mit einem männlichen noch einem weiblichen Symbol versehen sind (ach, jetzt schon? ist man geneigt zu fragen).
Damit nicht Studenten, die transsexuell oder intersexuell sind und sich darum weder dem männlichen, noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen, in Verlegenheit kommen.
Richtig! Die sollen sich mal nicht so anstellen. Minderheitenrechte (und Zeichensetzung) sind quatsch, alles, was nicht so ist wie ich (bzw. so, wie ich mich mir vorstelle oder erwünsche), ist sowieso doof und kann der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Außerdem betrifft es ja sowieso nur, wie der Verfasser der heutigen Kolumne schreibt, "Studenten", also männliche Studierende. Frauen wie der Verfasser machen so einen Blödsinn nicht.

Es ist gut, dass wir eine "Unabhängige für Mecklenburg-Vorpommern" haben - unabhängig von Fakten, von Moral, von Anstand. Es stimmt ja: Die Politik der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hat sich so sehr um Randgruppen gekümmert, dass die alten, weißen, fetten Männer in Vergessenheit geraten sind. Und die gehen jetzt alle Trumpeltiere wählen, im Gegensatz zur Generation "Gebeugter Nacken", die nur auf ihren Smartphonescreen starrt und, wie in Großbritannien und den USA, zu spät hochguckt. Das ist die Moderne, die Gegenwart, die Zielgruppe des heutigen "Guten Tag, liebe Leser!", der zuzugehören ich bedauerlicherweise niemals schaffen werde, die zu erreichen sich unsere Lokalzeitung jedoch stets bemüht.

Wie gut, dass wir junge, aufgeweckte Redakteure wie den Verfasser des heutigen "Guten Tag, liebe Leser!" haben - wo kämen wir sonst hin? Es ist auch gut, dass, um jedwedes Anecken zu vermeiden, die Überschrift nur in Großbuchstaben und ohne Anhauch von Zeichensetzung (wenn man den Zeilenwechsel nicht dafür nehmen will) heißt:

GUTEN TAG
LIEBE LESER

Und alles im Namen der - ja was? Jawohl: - ELEGANZ.

Damit habe ich den Kaffee für heute schon auf.


11. Regel


Donnerstag, 23. Februar 2017

Auch große Krieger sind nur Menschen

... vor allem im Straßenkarneval.


Das Bild ist Tel des WDR Beitrags, den man hier findet.

Noch eine Neuerscheinung








Röpke, Andrea: 2017 Jahrbuch rechte Gewalt. Chronik des Hasses. Hintergründe, Analysen und die Ereignisse 2016 . Knaur Taschenbücher Nr.78904. 2017.  304 S.. 30 SW-Abb. Klappenbroschur .  
978-3-426-78904-9     - Droemer/Knaur - KT        12.99 EUR


Der rechte Mob macht mobil. Und Rechtsradikalismus ist heute längst nicht mehr verpönt. Seit Jahren nehmen Gewalttaten durch rechtsextreme Täter bundesweit zu, mit der Zuwanderung Tausender von Flüchtlingen ist sie 2015 geradezu explodiert. Das "Jahrbuch rechte Gewalt" versammelt in einer umfassenden Chronik alle Gewaltverbrechen mit rechtsradikalem Hintergrund, dokumentiert einzelne Fälle und Täter in Reportagen und Porträts, leuchtet Vorgehensweisen, Tätergruppen, lokale Schwerpunkte und Tendenzen in Hintergrundberichten und Analysen aus. Andrea Röpkes aufrüttelnde Chronik über den Rechtsextremismus in Deutschland ist ein konkurrenzloses Desiderat für politisch Interessierte, Besorgte und die wachsende Zahl sich in Flüchtlings-Hilfen und sozialen Projekten engagierende Bürger.
 
Andrea Röpke; Jahrgang 1965; Politologin und Journalistin; zahlreiche Fernsehsendungen über Rechtsextremismus und Nationalsozialismus, u.a. bei SpiegelTV, Frontal 21, Panorama, sowie investigative Recherchen für Spiegel, Stern und Focus; Autorin für die Zeitschriften 'Der Rechte Rand' und 'Blick nach rechts'; 2007 als »Reporterin des Jahres« ausgezeichnet. 
 

Neuerscheinung








Weiß, Volker: Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes.
Maerz 2017 .   978-3-608-94907-0  - Klett-Cotta -   GEB        20.00 EUR       
Noch nicht erschienen. Erscheint am 11.03.2017


Eine brillante Darstellung von einem der besten Kenner der neurechten Szene

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017

Scharfsinnig zeigt Volker Weiß die brisante Entwicklung des neuen rechten Denkens auf. Er porträtiert die wichtigsten Akteure der rechtspopulistischen Bewegungen mitsamt deren Strategien und Methoden. Eine dichte Darstellung von Geschichte und Gegenwart einer Neuen Rechten, deren Aufschwung nicht überraschend war.

"Endlich eine Darstellung der deutschen Rechten, die sich nicht in billiger Polemik erschöpft, sondern gründlich, gerecht und darum vernichtend ist."
Gustav Seibt
In seinem hochaktuellen Buch bietet Volker Weiß die erste tiefgehende und historisch fundierte Zeitdiagnose zu den rechtspopulistischen Phänomenen Pegida, AfD & Co. Dabei beschreibt er das vielfältige Spektrum der neuen rechten Bewegungen und untersucht die Herkunft und Vernetzung ihrer Kader. Mit seinem kenntnisreichen Blick in die deutsche Geschichte zerschlägt er die zentralen Mythen der Neuen Rechten und zeigt: Gegenwärtig werden nationalistische Strömungen der Vergangenheit, die der Nationalsozialismus verdrängt hatte, wieder aufgegriffen. Volker Weiß geht den autoritären Vorstellungen nach und veranschaulicht Übergänge von Konservativismus, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Zugleich demaskiert er die antiliberalen Phrasen der Rechten und ihren Gestus als "68er von rechts". Die frappierende Erkenntnis: "Abendländer" und Islamisten sind in ihrem Kampf gegen Selbstbestimmung Waffenbrüder. Ein aufklärerisches Buch, das die Dürftigkeit der neuen Bewegungen schonungslos entlarvt und zum Kampf gegen deren autoritäre Zumutungen aufruft.

10. Regel


Abschied nehmen



Hallo liebe Leute,

heute besteht die letzte Möglichkeit, Abschied von einem der imposantesten Bäume Greifswalds zu nehmen. Es handelt sich um die 150jährige Schwarzpappel (Status Einzelbaum als Naturdenkmal) am Ende der Falladastraße, die morgen gekappt wird (Ankündigung in der heutigen OZ). Das biologische Höchstalter von Schwarzpappeln liegt bei ca. 180-200 Jahren. Wir haben es also schon mit einem echtem Methusalembaum zu tun.
Leider ist er nun zur Gefahrenquelle geworden und muss gefällt werden.
Dagegen ist nichts einzuwenden, aber sehr schade ist es allemal. Ich könnte mir vorstellen, morgen auch bei der Kappung zeitweise in sicherem Abstand vor Ort zu sein. Nicht als Demo gegen eine absolut gerechtfertigte Maßnahme, sondern als Zeichen des Abschieds von einem sehr beeindruckenden Baum. Er hat auch deshalb einen besonderen Wert, weil echte Schwarzpappeln in Deutschland eine seltene und im Bestand bedrohte Baumart darstellen. Niemand weiß genau, wie viele dieser Bäume es eigentlich noch gibt.

Viele Grüße
Ulrich Möbius

Die Lücke in der Lindenreihe an der Bahnhofstraße

Mittwoch, 22. Februar 2017

Gut aufgehoben?

In Zukunft werden Häuslebauerf_innen schneller bedient, verspricht der Kreis. Er verspricht aber noch mehr:
Bislang waren diese Sachgebiete beim Amt für Kreisentwicklung bzw. beim Amt für Umwelt angesiedelt. Letzteres bleibe erhalten.
Hoffenwir mal: auch in allen seinen Funktionen.


Leseempfehlung

Das zukünftige Standardwerk zum Thema:





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