Freitag, 19. Mai 2017

Die Greifswalder Provinz-Pegida (FFDG)...

...zuckt noch.

Zwar nicht mit Spaziergängen oder Ähnlichem, sondern mit ihrem Facebook-Auftritt. Sie sind sich nicht zu blöde, ein Video zu teilen, auf dem die Amokfahrt auf dem New Yorker Times Square in allen Details zu sehen ist. Dabei eignet sich diese nicht einmal zur Hetze gegen Geflüchtete. Das ist traurig und widerlich zugleich.

Der Hauptredner der FFDG-Spaziergänge, der uns mit kruden Verschwörungstheorien bei den Kundgebungen beglückte, schießt aber den Vogel ab. Zeichnet er sich doch durch profunde Kenntnisse von Straßen, Plätzen und Städten in Europa aus. Wie es sich für einen guten Patrioten gehört.

                                          Screenshot facebook vom 19.05.17 (mittlerweile geändert)

Wäre er doch bei der Erforschung von Chemtrails geblieben...

Donnerstag, 18. Mai 2017

Vom Fordern und Fördern

TriTraTrullala - tägliches politisches KasperleTheater
Heute möchte das Kasperle euch ein Märchen erzählen. Also nehmt schön Platz, schließt die Plappermäulchen und lauscht. 

Es war einmal vor langer, langer Zeit eine wunderschöne Stadt am Meer, in der ganz viele unterschiedliche Menschen glücklich und in Frieden lebten. Menschen, die arbeiteten, studierten, sich engagierten. Dabei spielte es gar keine Rolle, ob diese Menschen in der Stadt geboren oder zugezogen. Es war eine freundliche Stadt. 

Nun begab es sich, dass die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger befand, es sei an der Zeit, dass der König seinen Thron räume. Der König selbst, traurig aber ein sehr fairer König, freute sich auf seinen Unruhestand, den er mit seiner holden Königin genießen wolle. Sein Nachfolger, ein zu dieser Zeit äußerst beliebter Grünschnabel sei nun an der Reihe, die Geschicke der Stadt zu lenken. Doch diese Idee behagte den Beratern des Königs überhaupt nicht. 

Epilog zu den Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei

Türkische Personenschützer hatten vor der Botschaft in Washington Demonstranten attackiert. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums erklärte, einen solchen Angriff auf die Meinungsfreiheit könne man nicht dulden. Auch die Washingtoner Polizei sprach von einem brutalen Angriff gegen friedliche Demonstranten. Bei dem Vorfall waren am Dienstag elf Menschen verletzt worden, unter ihnen ein amerikanischer Polizist. Zwei Personen wurden festgenommen. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu hatten die Demonstranten Slogans gegen Erdogan gerufen. Da die Polizei trotz Aufforderung nichts dagegen unternommen habe, seien Erdogans Sicherheitskräfte eingeschritten
berichtet der Deutschlandfunk in seinen Nachrichten.


Das Eigentliche

Trump wird nicht nur vorgeworfen, geheime Informationen an Russland weitergegeben, sondern auch FBI-Chef James Comey bei Ermittlungen unter Druck gesetzt zu haben, bevor er ihn schließlich feuerte. Die Folge dieser nicht enden wollenden Kette von Skandalen und Affären ist, dass in Washington über Politik so gut wie gar nicht mehr geredet wird: die Abschaffung von Obamacare muss noch durch den Senat, der Einreisestopp für Menschen aus einigen vorrangig muslimischen Ländern ist noch nicht in Kraft, die NAFTA-Neuverhandlungen müssen irgendwann beginnen, die Steuerreform muss ausgearbeitet werden und der Mauerbau an der Grenze zu Mexiko hat auch noch nicht richtig angefangen: Doch für Politik hat in Washington kaum noch jemand Zeit
schreibt die Tagesschau.


Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei XIX und Schluss

Aus der Speakers' Corner der OZ vom 17. 5. 2017:


Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei XVIII

Bleib ruhig, wenn das Undenkbare eintritt.

Moderne Tyrannei ist Terrormanagement. Wenn es zu einem Terroranschlag kommt, dann denk daran, dass Autoritäre solche Ereignisse nutzen, um ihre Macht zu festigen. Die plötzliche Katastrophe, die das Ende der Gewaltenteilung, die Einschränkung der Meinungsfreiheit und der Rechtsstaatlichkeit und so weiter erfordert, ist der älteste Trick im Lehrbuch Hitlers. Fall nicht darauf herein.

(Timothy Snyder: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn, München: Beck 2017 (C. H. Beck Paperback 6292), ISBN: 978-3-406-71146-6)

Mittwoch, 17. Mai 2017

Ich war's nicht

Vermutlich war es eine Zusammenrottung aus Zugezogenen, Studierenden und heimatvergessenen Rotzblagen, die Buttersäure (was sonst?) auf das Arndt-Haus und die patriotischen Sänger_innen geworfen haben.

Ich war's nicht nur nicht, sondern ich verurteile es auch! (beides: das Buttersäureschmeißen, vor allem dann, wenn Menschen dadurch verletzt werden, und das Singen von chauvinistischen Liedern - wenn denn nicht nur vorgetragen, sondern auch gesungen wurde).
Anschlag mit ätzender Substanz auf Rügener Arndt-Geburtshaus: Wie eine Sprecherin der Polizei Stralsund am Mittwoch der OSTSEE-ZEITUNG mitteilte, hat es am Sonnabend mehrere leicht verletzte Personen bei einer Mitgliederversammlung der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft gegeben. [...] Die 25. Mitgliederversammlung der Arndt-Gesellschaft ist mit einem öffentlichen Vortrag von Prof. Walter Werbeck und der Opernsängerin Doris Hädrich-Eichhorn begleitet worden. Ihr Beitrag beschäftigte sich mit der Vertonung von Arndts Gedicht „Was ist des Deutschen Vaterland?“. Daran versucht hatten sich unter anderem Carl Friedrich Zelter oder Franz Liszt.

Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei XVII

Achte auf gefährliche Wörter.

Verwende die Wörter Extremismus und Terrorismus nur mit größter Vorsicht. Sei dir bewusst, welch fatale Bedeutung Begriffe wie Notstand und Ausnahmezustand haben. Sei wütend, wenn jemand patriotisches Vokabular auf hinterhältige Weise benutzt.

(Timothy Snyder: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn, München: Beck 2017 (C. H. Beck Paperback 6292), ISBN: 978-3-406-71146-6)

Lektionen für den Widerstand gegen Tyrannei XVI

Lerne von Gleichgesinnten in anderen Ländern.

Halte deine Freundschaften mit Menschen im Ausland aufrecht[*] oder such dir neue Freunde in anderen Ländern. Die gegenwärtigen Schwierigkeiten in den Vereinigten Staaten und einer Reihe von anderen Ländern sind Teil einer allgemeinen Entwicklung. Kein Land wird allein eine Lösung dafür finden. Sorge dafür, dass du und deine Familie über Pässe verfügen.

[* Der US-amerikanische Präsident geht jetzt gerade mit seinen Russland-Kontakten als leuchtendes Beispiel voran!]

(Timothy Snyder: Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand. Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn, München: Beck 2017 (C. H. Beck Paperback 6292), ISBN: 978-3-406-71146-6)

Warum ich keine Leser_innenbriefe mehr lese

Leserbriefe stehen einem seit der unsäglichen OZ-Arndt-Kampagne schon bis zur Oberkante der Unterlippe. Aber auch bei anderen Themen sind diese solitären Meinungen in der Regel nicht mit Erkenntnisgewinn, sondern ausschließlich mit Kopfschütteln zu lesen.

In der heutigen Leserbriefansammlung zum Gerichtsverfahren gegen den 96jährigen KZ-Sanitäter, dem vieltausendfacher Mord zur Last gelegt wird, heißt es:


Der Mensch, der da vor Gericht sitzt, kommt aus und wohnt in Neubrandenburg...