Mittwoch, 20. Juli 2016

Die Lösung

Laut heutiger OZ-Berichterstattung ist die Lösung für das Parkplatz"problem" (?) in der Innenstadt gefunden: Die Autos von Menschen mit Zweitwohnsitz in Greifswald diffundieren, wenn die Stadtverwaltung für sie keine Parkausweise mehr ausstellt!

Grandios! Eine neue Milchmädchenrechnung für einfache populistische Antworten auf komplexe Probleme.

1. Natürlich "verdunsten" die Autos der Zweitwohnsitzgemeldeten nicht, sondern erzeugen einfach anderswo Parkdruck.
2. Ich stelle das "Problem" in Frage. Einzig die Tatsache, dass die Autofahrenden beanspruchen, ihren Blechhaufen im Umkreis von 10 Metern von der Haustür an zu finden, erzeugt das "Problem". In Wirklichkeit gibt es keines.
3. Wenn abends Parkflächen dicht sind, dann durch die lebendige Kneipenszene (an der doch um Gottes Willen wegen der "studentischen Kultur" nicht gedreht werden darf). Beispiel Steinbeckerstraße: Die Parkfläche wird verdoppelt, indem abends die komplette "verbotene" östliche Seite der Straße zugestellt ist. Und das nur, weil die anderen Parkplätze durch Kneipenbesuchende bereits belegt sind und den Anwohnenden weggenommen werden. Man erkennt die Auswärtigen, wenn morgens Halteverbot wegen Straßenreinigung gilt: Die Anwohnenden sind weg, nur die Kneipenbesuchenden vom Vorabend bleiben - natürlich ohne Parkticket - stehen...
4. Die Schaffung einer privaten Straßenverkehrsordnung durch Autofahrende erzeugt den Parkplatz"mangel" in der Innenstadt. Jüngstes Beispiel: Ein silberhaariger Very-Best-Ager steht in seinem OVP-Auto gegenüber der Volksbank in der Steinbeckerstraße und blockiert durch seine Art zu "parken" drei Plätze - natürlich ohne einen Parkschein zu lösen. In  dieser Zeit suchen drei Fahrzeuge mit HGW-Kennzeichen, vermutlich Anwohnende, einen Parkplatz und müssen unverrichteter Dinge abdrehen. Ein städtischer Mitarbeiter kommt vorbei, spricht den Mann an, und der zitiert seine private StVO: "Nur mal eben" (§ 1 der privaten StVO) müsse er auf seine Frau warten, die "nur mal kurz" (§ 2 der privaten StVO) in der Volksbank sei.

Autos haben in einer Innenstadt, schon gar einer mit mittelalterlichem Straßengrundriss, nichts verloren. Das Gejammere von Gewerbetreibenden wegen ausbleibender Kunden, Anwohner_innen wegen der Schwierigkeiten beim "Wocheneinkauf" und von Autofahrenden, die auf ihrer Faulheit beruhen, kann man mit Beispielen aus großflächig verkehrsberuhigten Innenstädten als das zurückweisen, was es ist: haltloses, unbelegtes, allen Statistiken widersprechendes Geschwafel aus dem Bauch heraus. In den großflächig autofreien Innenstädten steigen die Umsätze (im Gegensatz zu Greifswald), die Lebensqualität ebenfalls (im Gegensatz zu Greifswald), und alle sind glücklich, niemand hat ein "Parkplatzproblem" - im Gegensatz zu Greifswald.

(Um dem gleich vorzubeugen: Für Menschen, die durch eine körperliche Behinderung bewegungseingeschränkt sind, lassen sich gerade dann allerbeste Parkmöglichkeiten finden, wenn die Plätze nicht blockiert sind!)




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