Freitag, 11. Dezember 2015

Jubelmeldungen

Seit gestern wissen wir, wofür wir eine Milliarde (in Zahlen: 1.000.000.000) Euro ausgegeben haben, d. h.: Wofür wir sinnvollen Projekten eine Milliarde (in Zahlen: 1.000.000.000) Euro entzogen haben: Für 50 Millisekunden leuchtete ein Bildschirm auf.

Alle Jubeln! Aber warum? In ihrer Berichterstattung irgendwo versteckt sagt die OZ:

Eine Fusion von Atomkernen ist in Greifswald nicht geplant.

Im Deutschlandfunk heißt es:

... die Energieerzeugung wird mit Wendelstein aber noch nicht möglich sein ...

Der NDR zitiert den BUND:

BUND: Brauchen Fusionstechnik nicht
Umweltschützer hatten immer wieder Kritik an dem Vorhaben geübt. "Wir haben nach wie vor erhebliche Sicherheitsbedenken", sagte Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin der Umweltschutzorganisation BUND. So habe ein Gutachten Bedenken zur Abschirmwirkung der Halle nicht völlig ausräumen können. "Wir sind auch nicht der Meinung, dass wir die Fusionstechnik für die Energieversorgung brauchen", sagte Cwielag. (Hervorhebung vom Autor)

Auch nicht-neoliberale Grüne sehen ein gewisses Gefahrenpotential in der Bastelanlage:

Arndt Müller, Mitglied des Landesvorstandes des BUND Mecklenburg-Vorpommern:
„Was jetzt öffentlich gefeiert wird, ist in vielerlei Hinsicht ein Spiel mit dem Feuer, denn der verwendete Strahlenschutzbeton verfügt nicht über jene Eigenschaften, die mit der Errichtungsgenehmigung durch das Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern festgelegt worden waren. Damit kann er nicht jene Neutronenstrahlung zuverlässig zurück halten, die spätestens dann frei wird, wenn die Fusionsexperimente – wie geplant – mit schwerem Wasserstoff, dem so genannten Deuterium durchgeführt werden. Damit bestünde im Fall derartiger Experimente eine Gefährdungslage für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts und die Umgebung der Anlage.
Wir kennen die aktuell ergangene Betriebsgenehmigung im Wortlaut noch nicht. Doch sollte das Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern einen Experimentalbetrieb mit schwerem Wasserstoff gestatten, würde die Behörde gegen eigene Auflagen zur Strahlensicherheit aus der Errichtungsgenehmigung verstoßen. Ein solches Vorgehen wäre rechtswidrig und zudem gegen die Sicherheitsinteressen von Mensch und Umwelt gerichtet.“


Aber Hauptsache, unser grüner OB ist schon mal dafür...

Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) begrüßte den Betriebsstart. „Ich habe große Erwartungen an das Forschungsprojekt“, sagte er. „Ohne Experimente, auch wenn deren Ergebnis erst in Jahrzehnten nutzbar sein wird, können Zukunftsfragen nicht geklärt werden.“ Grüne und Umweltverbände hatten zuvor vor Sicherheitsrisiken der Technologie gewarnt. Sie sehen in der teuren Kernfusion ein Hemmnis der Energiewende. (Hervorhebung vom Autor)

Wofür also der Jubel? Für eine Milliarde teure 50 Millisekunden, die nicht der Energieerzeugung dienen, sondern die Energiewende erstens konterkarieren und ihr zweitens die notwendigen Mittel entziehen - in Höhe von einer Milliarde (in Zahlen: 1.000.000.000) Euro?



Kommentare:

  1. Kernfusion als Lösung von Energieproblemen darzustellen, ist Blödsinn. Ebenso wie das IPP als absolute Verschwenung darzustellen, die Grundlagenforschung die dort betrieben wird, geht doch weit über das hinaus, was das durchschaubare Marketing verkaufen will.

    Trotzdem finde ich es zu billig, eine Forschung gegen eine andere zu stellen. Wenn hier etwas bedauert werden sollte, ist es doch eher, dass -über den Finanzierungszeiraum gesehen- Peanuts als Argument angeführt werden, warum andere Projekte nicht gefördert werden können. Wenn unser Staat das wollte, könnte er weiteres fördern!

    Dem geübten Leser Ihres Blogs beschleicht eher das Gefühl, dass es Ihnen mal wieder nur um Ihre Fehde mit Herrn Fassbinder geht.

    AntwortenLöschen
  2. Auf anonyme Kommentare erfolgt keine Antwort.

    AntwortenLöschen