Donnerstag, 2. August 2018

Rebound-Effekt

Steht in Ihrem Wohzimmer schon ein Riesen-LED-Bildschirm? Die LED-Technik ist ja so sparsam, dass sie jedes Röhren- oder Transistorgerät weit überholt - so heißt es. Bezogen auf die Größe besagter Alt-Bildschirme, die in den letzten zwei Jahren vermehrt auf dem Schrott gelandet sind - lange vor Ablauf ihrer Produktzeit. Dass sich das Sparen im Verbrauch auf die genannte Größe bezieht und nicht auf die Riesenbildschirme, die jetzt auch bei Aldi verkauft werden, gerät unter die Räder der ebenso sparsamen SUV. Denn alle Einsparungen im Benzin- oder Dieselverbrauch neuerer Motoren werden durch höheres Gewicht, entsprechend mehr Leistung und sportwagenhohe Geschindigkeit mehr als ausgeglichen. Paradox ist, dass ein tonnenschwerer SUV mit einem Kleinstwagen auf dieselbe steuerliche Stufe gestellt wird...

Die Landesregierung schiebt für ihre offenbar nicht sehr sportlichen Mitglieder das Argument nach, dass SUV leichter zu "besteigen" seien. Der Nordkurier berichtet:
Laut NDR gilt bisher: Für Minister werden Audi A 8, Mercedes S-Klasse oder große BMW angeschafft. Als Maßstab würden laut Chefwagen-Richtlinie Limousinen der Oberklasse gelten. Staatssekretäre könnten auf Modelle der oberen Mittelklasse ab 190 PS zurückgreifen.
Im Vergleich etwa zu Limousinen haben SUVs höher gelegene Sitze und einen besseren Sitzkomfort. Eine Sprecherin des zuständigen Innenministeriums erklärte die geplante Änderung mit der Gesundheit der Minister. Ein Regierungsmitglied sagte laut einem Bericht des NDR: „Wir werden alle älter!” Bei der Beschaffung soll auf umweltfreundliche Antriebe wie Hybridmotoren und niedriger Schadstoffausstoß geachtet werden, betonte die Sprecherin.
Das hat zum Glück nicht geklappt.
Die Ministerpräsidentin und der Minister für Inneres und Europa haben auf der heutigen Kabinettsitzung entschieden, die ursprünglich mit der Neufassung beabsichtige Erweiterung der Fahrzeugsegmente nicht umzusetzen. Die bisherige Auswahl an Fahrzeugen wird für ausreichend erachtet.
Man merkt, dass das notwendige grüne Korrektiv nicht mehr im Landtag vertreten ist.

Trotzdem wird die Autoindustrie in ihrem Wahn, immer schwerere Autos zu bauen, immer noch bestärkt, wie jetzt deutlich wird.
Unter anderem sollen Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge, die dienstlich genutzt werden, steuerlich begünstigt werden. Umweltverbände kritisierten das als umweltschädlich und unsozial. Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland sagte im Deutschlandfunk (audio link), die Förderung von PS-starken Hybrid-Fahrzeugen sei nicht der richtige Hebel. Solche Fahrzeuge seien oft lange Strecken unterwegs und nutzten den Elektromotor kaum, da er nur eine geringe Reichweite habe. Es sei aber ökologisch nicht sinnvoll, Autos, die zehn Liter auf 100 Kilometer verbrauchten, steuerlich zu begünstigen. Sinnvoll wäre ein Förderung ausschließlich nach dem Kriterium der Energie-Effizienz.
Lernfähigkeit? Kann jemand mal das Wort in eine Sprache übersetzen, die die Hörigen der Autolobby verstehen?


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