Freitag, 4. Mai 2018

Längst überfällige deutliche Worte

Die USA weiten ihre strafrechtlichen Ermittlungen gegen VW-Mitarbeiter in der Diesel-Abgasaffäre aus. Nun ist auch der langjährige Konzernchef Martin Winterkorn unter den Beschuldigten. Das Justizministerium wirft ihm Betrug vor. Er soll außerdem Teil einer Verschwörung zum Verstoß gegen US-Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden gewesen sein. Insgesamt ist er in vier Punkten angeklagt.
Winterkorn habe gemeinsam mit fünf weiteren VW-Managern "bewusst und absichtlich Betrug begangen", um die Abgasvorschriften in den USA über einen Zeitraum von fast zehn Jahren zu umgehen, heißt es in der Anklageschrift.
Der 70-jährige Manager habe bereits im Mai 2014 von den Manipulationen bei Abgasmessungen gewusst, sich jedoch entschieden, den Betrug fortzusetzen. Erst 16 Monate später habe VW den Betrug auf Druck der US-Behörden zugegeben. So steht es in der 40 Seiten langen Anklageschrift.
Dass auch die oberste Führungsetage in Wolfsburg frühzeitig von der Manipulationssoftware gewusst haben muss, davon gehen die US-Behörden schon länger aus. Doch beweisen konnten sie es nicht, nun offenbar schon.
Erstaunlich, zu welch' deutlichen Worten US-Juristen fähig sind. In Deutschland scheint dies unmöglich - auch bei Nicht-Juristen.
Bislang hatte VW stets versucht, den Abgasskandal als das Werk von Mitarbeitern in unteren Rängen darzustellen. Dass jetzt der ehemalige Konzernchef auf die Anklagebank soll, passt nicht zu dieser Version.
Es ist nicht Winterkorn allein, man sollte ihn nicht verteufeln. Er hat genauso gehandelt wie die Clique um ihn herum und bei den anderen Konzernen, nicht nur bei den Autobauern. Die jährlichen Millioneneinkünfte der Manager-Blase (neue Manager werden immer in derselben Gruppe von Managern rekrutiert) werden immer damit begründet, dass sie auch ein hohes Maß an Verantwortung trügen.

Davon sehe ich bei keinem aus dieser Blase auch nur den Ansatz.

https://www.n-tv.de/wirtschaft/VW-Chef-Mueller-verteidigt-sein-Gehalt-article20353036.html


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