Mittwoch, 14. März 2018

Abgeschottetes Sonderbewusstsein

In der heutigen OZ wird Wolfgang Thierse zitiert. Dem habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen.
„Es gibt ein Wort für dieses Missverhältnis: obszön. 50,3 Millionen Euro, so wissen wir seit gestern, hat die Führungsriege der VW-Manager 2017 verdient – 10,8 Millionen mehr als im Jahr davor. Wenn ein Vorstandschef gut das 200-Fache dessen einnimmt, was ein Facharbeiter verdient, wenn – wie bei VW – der Managerbonus um das 600-Fache höher ist als der seiner Mitarbeiter, ist das anständig? Ich finde nicht.
Es geht nicht um klassenkämpferischen Neid, wenn man diese Gehälter für anstößig hält. Was man mit so viel Geld tun kann, übersteigt sowieso das Vorstellungsvermögen der meisten. Es geht um Gerechtigkeit. Und die bedeutet allen Studien zufolge für die Mehrzahl der Deutschen Leistungsgerechtigkeit: Jeder soll nach seiner Leistung und Verantwortung entlohnt werden. Das legitimiert auch Einkommensunterschiede. Aber das 200-Fache? Die wirtschaftliche Elite hat ein abgeschottetes Sonderbewusstsein entwickelt: Mir steht das zu. Die Diskrepanz, die sich da auftut, ist eine direkte Attacke auf das Wertefundament unseres Landes.
Denn wir führen gleichzeitig eine Armutsdebatte, darüber, ob die Mittel der Tafeln für alle Bedürftigen reichen. Für VW speziell gilt zudem: Wir lesen über exorbitante Managerboni und gleichzeitig über den Dieselskandal, über Tierversuche und drohende Fahrverbote. Und über die Weigerung des VW-Konzerns, aus seinen Milliardengewinnen wenigstens teilweise die Umrüstung von Dieselmotoren zu finanzieren, damit sie weniger Schadstoffe produzieren.
Das alles zusammen macht das Spektakuläre dieses Vorgangs aus. Und das Unanständige.“


Keine Kommentare:

Kommentar posten