Montag, 26. Februar 2018

"Markenzeichen"

online ist der Verfasser leider nicht genannt. Macht man sich dann aber die Mühe, zusätzlich noch das e-Paper aufzurufen, so erfährt man, dass es Axel Büssem war, der recht kluge Worte zum Grünen-Parteitag, wie es immer häufiger unwidersprochen heißt, sagt:
Es ist ein merkwürdiges Phänomen: In Sachen Umweltschutz ist in den letzten Jahren kaum etwas besser geworden, im Gegenteil: Die dramatische Meldung vom Verschwinden der Insekten im vergangenen Jahr zeigte, in welch verheerendem Ausmaß der Mensch die Natur nach wie vor zerstört. Dennoch hat man das Gefühl, dass sich kaum noch jemand dafür interessiert.
So ist es. Wichtiger waren die Pöstchen. Aber damit ist ja nun Schluss: Die Landtagsfraktion gibt es nicht mehr, die daran hängenden Pöstchen sind nicht mehr zu vergeben. Claudia Müller ist, wie sie das eigentlich immer schon wollte, im Bundestag versorgt. In Greifswald kann ein Grüner OB werden und den Satz "Wir sind nicht zuständig" zum Standard erheben und ist damit für die nächsten Jahre ebenfalls versorgt, zumal seine Gattin weiterhin Geschäftsführerin der Grünen Bürgerschaftsfraktion ist. Also: Alle sind entweder versorgt oder endgültig von den Trögen so weit entfernt, dass sie kein Thema mehr sind (die Landtagskandidatur von Ulrike Berger ist ungefähr so ernst zu nehmen wie die seinerzeitige OB-Kandidatur des Verfassers). Die Pöstchenjäger sind nach oben wegbefördert - jetzt besteht wieder eine Chance auf Grüne Politik.
Die Grünen in MV haben nun ein Zeichen gegen diesen Trend gesetzt: Sie wollen sich endlich wieder auf das Kernthema grüner Politik konzentrieren. Nachdem von den geplatzten Jamaika-Verhandlungen in Berlin auf grüner Seite vor allem hängengeblieben war, dass Cem Özdemir wohl gerne Außenminister geworden wäre, bekennt sich die Partei nun wieder zu ihrer eigenen Farbe. Fast hätte man schon denken können, die Ökos hätten vergessen, woher ihr Name stammt.
Leider ist das Ergebnis von 71 % ohne Gegenkandidat_in für die neugewählte Landesvorsitzende nicht gerade berauschend; dass sie Rostockerin ist neben dem zweiten Vorsitzenden, einem Rostocker, macht die Sache nicht besser, und dass zukünftig alle Landesdelegiertenkonferenzen (LDK) in Güstrow stattfinden sollen, wohin alle Rostocker gut kommen, das aber von Vorpommern aus vor allem mit Öffis nur schwer erreichbar ist, liegt vermutlich daran, dass der Grüne Kreisverband Vorpommern in der letzten Zeit so unpolitisch geworden ist, dass er häufiger Probleme hatte, alle LDK-Delegiertenplätze zu besetzen.
MV bietet genügend Themen für grüne Politik, schließlich ist hier die großflächige Landwirtschaft, die kaum Platz für Natur lässt, prägend für die Landschaft. Nun müssen die Grünen im Land nur noch den Wähler wieder davon überzeugen, dass Naturschutz jeden angeht und dass wir uns mit der Zerstörung unserer Umwelt die eigenen Lebensgrundlagen entziehen.
Genau, das ist der Punkt. Das Kernthema, das "Grüne Markenzeichen" betonen: Das sind weder Klos in Eldena noch Hausboote auf dem Ryck (selbst wenn man als Grüne Fraktion in der Greifswalder Bürgerschaft es natürlich wie der Teufel das Weihwasser scheut, etwas zur "Wir sind nicht zuständig"-Politik des "grünen" OB zu sagen). Denn:

Mit der Losung "Grüne = FDP + Mülltrennung" bleibt man gerade einmal eine Legislatur im Landtag, und Außenminister wird man damit schon mal gar nicht, bestenfalls OB in einer der konservativsten Städte der Republik.

Eine erste Maßnahme zur Wiederbeatmung der Grünen hat die Kreistagsfraktion im Schlepptau des Nabu gemacht mit der Forderung, Feldwege mit ihren Randstreifen wiederherzustellen - da die gutsherrliche Großlandwirtschaft für alle Klarsichtigen ebenso abgewirtschaftet hat wie die ölorientierte Autoindustrie, ist es jetzt vermutlich ein guter Zeitpunkt, wieder eine menschen- und nicht profitorientierte Landwirtschaftspolitik zu fordern. In der heutigen "Speakers' Corner" unserer Lokalzeitung war ein weiterer Hinweis, der auf hoffentlich glyphosatfreien, also fruchtbaren Boden fällt. Torsten Reinwald (er heißt wirklich so), stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Jagdverbandes, führt zur "Bekämpfung der Schweinepest" durch vermehrtes Abschießen von Wildschweinen aus:





Stoff genug zum Nachdenken. Jäger_innen wie Imker_innen sind gute Gesprächspartner_innen, um wiederbeatmet zum grünen "Markenkern" zurück zu finden.



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