Mittwoch, 24. Januar 2018

Schwer integrierbar

Was macht man mit einer Partei, deren Personage aus lauter Leuten besteht, die man, wie es früher hieß, "nicht mit der Kniepzang" anfassen würde? Die Tagesschau schreibt zum neuen Vorsitzenden des Haushaltsausschusses u. a.:
Eine dieser Mails stammt von Ende 2017, als er schon Mitglied des Bundestages war. Er verschickte am 29. Dezember einen Beitrag der Yahoo-Nachrichten, in dem es um angebliche Schutzzonen für Frauen in der Silvesternacht ging. Boehringer kommentierte: Sogar der Mainstream finde nun die richtigen Worte zu diesem "völlig irren Gebaren des Staats, der vor dem 'kriminellen = koranhörigen = frauenverachtenden Macho-Mob der Surensöhne'" kapituliere.
An anderer Stelle brüstet er sich in den vorliegenden Mails, selbst als Erster im Jahre 2008 gegen ein in München geplantes Islamzentrum agitiert zu haben. Zudem zeigte er sich wiederholt mit dem Islamhetzer und ehemaligen Deutschlandchef der Kleinpartei "Die Freiheit", Michael Stürzenberger, solidarisch, der seit Jahren im bayerischen Verfassungsschutzbericht als zentrale Figur der islamfeindlichen Szene im Freistaat genannt wird. Ihm dankt Boehringer für seinen Einsatz gegen das Zentrum und feiert einen Freispruch Stürzenbergers vor Gericht.
Im Januar 2016 verunglimpfte er in einer seiner Mails Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingspolitik als "Merkelnutte". Am 15. Dezember 2015 spricht er anlässlich eines "sogenannten" CDU-Parteitages von einer "Klatschviehveranstaltung um eine neue Sportpalastrede der Führerin Merkel". Bundesaußenminister Sigmar Gabriel nennt er "Sigmar Dumpfbacke Gabriel". Mediale Kritik an seinen Thesen verunglimpft er pauschal als "System-Journalismus". [...]
Der gebürtige Schwabe, der lange in München lebte, ist in liberalkonservativen Wirtschaftskreisen bestens verdrahtet. Er selbst stammt aus einem Unternehmerhaushalt und ist seit 2013 Mitglied in der Hayek-Gesellschaft, die nach dem österreichischen Nationalökonomen Friedrich A. Hayek benannt ist. In ihr sind vermögende Unternehmer, Publizisten und Wissenschaftler aus dem liberalkonservativen bis marktradikalen Spektrum vertreten. Die von Finck'schen Familiengesellschaften etwa, der unter anderem die Hotelkette Mövenpick und viele andere Gesellschaften gehören; Theo Müller (Müller-Milch) oder Autovermieter Erich Sixt. [...]
Die Gesellschaft sieht sich seit mehr als zwei Jahren immer wieder der Kritik ausgesetzt, der AfD inhaltlich zu nahe zu stehen. Es gab prominente Austritte, zuletzt hatte ein Mitglied in einem Kündigungbrief die Gesellschaft als "Mistbeet der AfD" bezeichnet. Inzwischen zählt die Hayek-Gesellschaft vier Bundestagsabgeordnete in ihren Reihen, darunter drei von der AfD: Neben Boehringer sind dies Fraktionschefin Alice Weidel und Fraktionsvize Beatrix von Storch.
Die Mitglieder des Bundestages werden es nicht leicht haben, mit dieser Fraktion und ihren Mitgliedern umzugehen. Ich beneide sie nicht... 


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