Dienstag, 9. Januar 2018

Massentierhaltung

Auch Kühe, Schweine und Hühner sind über die ganze Zeit ihres Lebens (und auch vor allem nach ihrem Ableben) Kühe, Schweine und Hühner, d. h.: Es muss nicht nur vorne was rein, sondern es kommt auch hinten was raus. Das ist nicht nur historisch immer schon so gewesen, sondern liegt sogar in der Natur der Sache. Die Wirtschaftswissenschaftler_innen bezeichnen das als "Produktlebenszyklus" (engl.: product lifecycle) und entwickeln daraus ein "Produktlebenszyklusmanagement" (PLM). Soviel zur Monetarisierung des Lebens und der Ineinssetzung von Auto und Kuh. Grundgedanke dabei ist: Man darf nicht nach der Produktion aufhören zu denken.

Aus Geldgeilheit wird das aber manchmal vergessen:
Nach dem Dauerregen der vergangenen Monate droht dem Nordosten nun eine Gülleflut. Die Silos der Landwirte sind bis an die Ränder gefüllt, Lagerstätten werden knapp. Auslöser ist das regenreiche Jahr 2017: „Die Landwirte konnten auf den durchnässten Böden ihre Geräte zum Ausbringen des Düngers nicht einsetzen“, erklärt Frank Schiffner vom Landesbauernverband.
Aber: Auch für die Landesregierung und in den genehmigenden Kommunen ist Massentierhaltung prima. Genehmigungen werden, mit Verweis auf die Verfahrensrechte der Antragstellenden, nur ungern versagt. Und die Rechte der restlichen Menschheit? Haben nur Geldgeile Rechte? Offenbar sind sie sogar die Benachteiligten, glaubt man dem Bauernverband:
Die neue Düngeverordnung verschärft das Problem, weil sie den Beginn der Sperrzeit, in der Felder frei von Gülle bleiben müssen, von November auf Oktober vorverlegte.
Dabei spielen sie selbst in dem Spiel eine ursächliche Rolle. Nicht nur, dass sie mehr Tiere halten, als sie mit ihrem Grund und Boden ernähren und deren Ausscheidungen sie ebendort als Dünger einsetzen können, sondern auch, um Arbeitskräfte, also Geld, zu sparen:
„Die Landwirte sind an der Situation nicht ganz unschuldig“, meint Tiedke [der Geschäftsführer des Landesbodenverbandes, U. R.]. Auf den Feldern werde immer schwereres Gerät eingesetzt. Das verdichte den Boden und erschwere das Versickern zusätzlich.
Im Kommentar von Gerald Kleine Wördemann heißt es dazu:
Der Schweriner Notlager-Erlass zeigt, wie sehr das System auf Kante genäht ist. Ein paar – zugegebenermaßen ungewöhnlich stark – verregnete Monate reichen schon aus, um einen Notstand herbeizuführen.Deshalb ist es höchste Zeit, gegenzusteuern. Zum Beispiel mit strengeren Auflagen für Großstall-Betreiber. Der jetzt eingetretene Notstand deutet darauf hin, dass die Genehmigungsbehörden in der Vergangenheit wohl ein bisschen zu großzügig vorgegangen sind.
So ist es. 


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