Montag, 4. Dezember 2017

Kulturlandschaft

Axel Hochschild ist ja immer so besorgt, dass Windräder unsere Kulturlandschaft zerstören könnten. Zum einen sollte er sich einmal Gedanken darüber machen, was das Wort "Kulturlandschaft" bedeutet. Mit Goethe und Schiller hat das Wort nämlich nix zu tun, sondern damit, dass die menschliche "Kultur" der "Natur" die "Landschaft" entreißt und sich zu Diensten macht.

Zum zweiten sollte er nicht nur nachdenken, sondern hinschauen und sich über das aufregen, was wirklich unsere Landschaft zerstört und nicht nur CDU-Populismus gegen erneuerbare Energien nach dem Sankt-Florians-Prinzip ist.
Wir haben viele Landstriche, die inzwischen wie ökologische Wüsten aussehen. Das einzige, was aus der Landschaft an, sagen wir mal: Natürlichkeit noch herausleuchtet, ist die Farbe Grün, weil wir Gott sei Dank noch keinen Chlorophyll-Zerfall oder keine Chlorophyll-Krankheit haben. Es ist gar nicht lange her, dass eine größere Abordnung einer großen Partei hier im Institut war, und die Leute sagten: „Sagen Sie mal, Herr Berthold, es ist doch bei uns alles grün!“ – Ja, grün ist es Gott sei Dank schon noch. Aber das ist nur die Tünche. Wir haben so viele Gebiete, in denen wir zwar noch grüne Wiesen haben, aber wenn Sie in die Struktur der Wiese hineinschauen, sehen Sie, dass das im Grunde nur noch eine Produktionsstätte entweder für Kuhfutter oder für Bioenergie ist. Mit Wiese hat das nichts mehr zu tun
steht in der heutigen Frankfurter Rundschau. Und weiter:
Wenn die nächsten zwanzig Jahre nicht ganz gewaltig gegengesteuert wird, wird ein Biozid, ein Ökozid eingetreten sein. Dann werden wir das allermeiste verloren haben, und das wird irreversibel sein. [...] Und diese Arten, die wir auch mit Renaturierungsmaßnahmen nicht mehr zurückholen können, nehmen laufend zu. Wenn wir so weitermachen, werden wir in zehn oder zwanzig Jahren sagen: Wir können so viele Schutzgebiete einrichten, wie wir wollen, dort werden wir nur noch ganz wenige Arten ansiedeln können, weil der Rest derart dezimiert ist, dass er verschwindet oder bereits verschwunden ist.
Und zum Thema Bienen:
Früher war es so: Mein Nachbar hatte Bienen, mein Vater hatte Bienen, überall waren Bienen. Wenn so einen Baum am Nachmittag nach einer Frostnacht die Sonne zwei Stunden lang beschienen hat, war in null Komma nix der ganze Baum mit Bienen bereichert, und die haben alle Blüten bestäubt, die gerade offen waren. Wenn heute die Sonne scheint, eine Stunde, zwei Stunden, und Sie stehen unter dem Baum und gucken, dann kann es sein, dass Sie plötzlich feststellen: „Jessas Gott! Der Herrgott hat eine Biene geschickt!“ Und die ist jetzt grad da oben drin und geht da rüber und da hinten durch. Und dann kommen Wolken. Sonne geht weg. Biene fliegt zurück zu ihrem Stock. Und da oben sind fünf oder sieben Blüten bestäubt, von denen nachher zwei abfallen, und Sie haben keinen Ertrag mehr. Und genau das ist dieses Jahr passiert. Die Schäden, die wir hier heuer hatten, sind dem Spätfrost nur zu einem ganz geringen Teil anzulasten. Die Hauptgründe sind, ad eins, die Idiotie dieser Monokulturen und, ad zwei, der inzwischen gravierende Insektenmangel.
Ein riesiges Beschäftigungsfeld für Axel. Da sollte er mal was zu sagen statt zu der Sichtbarkeit erneuerbarer Energien!


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