Montag, 4. Dezember 2017

Das eigentliche Problem

Die Diskussion in Berlin und Brüssel dreht sich - narzistisch oder egoistisch, ganz nach Belieben - ausschließlich um die Frage, ob Glyphosat beim Menschen krebserregend sei. Dabei ist das das kleinere Problem bei diesem alles tötenden Gift!
Selbst die hitzig diskutierte Frage, ob Glyphosat das Krebsrisiko erhöht, erscheint nachrangig: Die Studienlage ist widersprüchlich, empirische Befunde sind rar, die Krebsgefahr ähnelt nach menschlichem Ermessen jener, die gegrilltem Rindfleisch innewohnt
schreibt die Frankfurter Rundschau. Und weiter:
Es wirkt wie eine Massenvernichtungswaffe, die alle natürlichen Grünpflanzen tötet. Daher kommt die Substanz, von der im laufenden Jahr weltweit erstmals mehr als eine Million Tonnen hergestellt wurden, vornehmlich kurz vor der Aussaat sowie nach der Ernte zum Einsatz. Was unbefugt auf Bauers Krume wächst, stirbt ab.
"Roundup" ist ein Rundumschlag gegen alles, was grünt und blüht, und damit auch ein Rundumschlag gegen Insekten, gegen Insektenfresser, gegen sonstige Tiere und so immer weiter auf der Artenleiter bis hin - zum Menschen. Hauptsache, der Profit stimmt!
Was unbefugt auf Bauers Krume wächst, stirbt ab, die Nutzpflanzen gedeihen ohne Konkurrenz. Es geht aber noch weiter: Praktischerweise bietet der Marktführer Monsanto, den die Leverkusener Bayer AG für 66 Milliarden Euro übernehmen will, gentechnisch veränderte Sojapflanzen an, die gegen Glyphosat unempfindlich sind. Mittlerweile widerstehen 85 Prozent aller Gen-Pflanzen, die weltweit angebaut werden, verschiedenen Herbiziden. Darunter befindet sich fast immer Glyphosat. Die Substanz ist mithin Repräsentant einer Agrarindustrie, die viel verspricht – und nichts davon wird halten können.
Unabhängig von der Fähigkeit, Krebs zu erregen, befördert Glyphosat den Rückgang der Biodiversität bis hin zu Null. Zudem verlangt Glyphosat genmanipulierte Pflkanzen, die das Gift überstehen können. Und was genmanipulierte Pflanzen sonst noch können, wissen wir nicht, wir können es nur befürchten. Und schließlich füllt Glyphosat die Kassen der Global Player mit enorm vile Geld, denn Gift und genmanipulierte Pflanzen kommen aus demselben Hause - bald mit Namen Bayer.
Ihre Samen sind unfruchtbar, so dass die Bauern jedes Jahr neues Saatgut von Biotech-Unternehmen wie Monsanto kaufen müssen. Dem Konzern geht es (wie anderen) erkennbar nicht um Weltenrettung, sondern um Profit. Selbst das wäre nicht so schlimm, wenn Breitbandherbizide wie Glyphosat lediglich Ackerwinde, Giersch und Co. zu Leibe rückten. Tatsächlich vernichten sie aber hochkomplexe Lebensräume: Mikroorganismen, Würmern und Kerbtieren wird die Existenzgrundlage entzogen, es folgen Vögel, Kleinsäuger, Reptilien und Amphibien. Während sich in einem Kubikmeter gesunden Mutterbodens mehr Kleinstlebewesen finden als es Menschen auf der Erde gibt, gleichen Glyphosat-Äcker biologischen Wüsten.
Die ersten gravierenden Folgen – Insektenschwund, Vogelsterben, Grundwasserbelastung – sind nicht mehr zu übersehen. Wohlverstanden handelt es sich dabei um Warnsignale: Eine Landwirtschaft, die die totale Unterwerfung der Natur voraussetzt, muss auf Dauer scheitern. Eine Agrarindustrie, die bedenkenlos Biotope vernichtet, deren Wert nicht im Ansatz verstanden ist, offenbart eine unheilvolle Mischung aus Gier und Größenwahn. Die Welt braucht eine Landwirtschaft, die nicht gegen, sondern im größtmöglichen Einklang mit der Natur funktioniert, um einst zehn Milliarden Menschen ernähren zu können. Eine Landwirtschaft ohne Glyphosat.

Das ist das Problem an Glyphosat.


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