Donnerstag, 9. November 2017

Rebound-Effekt

Ich will Spaß, ich will Spaß - und ein großes, schweres Auto. Deswegen werden Elektroautos, egal, wie ihre Umweltbilanz ist, mit 0-CO2-Ausstoß angesetzt - zur Freude der Autoindustrie, die weitermachen kann wie bisher, zur Freude der Autokaufenden, die auch nichts an ihrem Lebensstil ändern müssen. Großartige Zeiten des Green New Deal!

Verkehrsexperten warnen jetzt in einem offenen Brief davor, das angeblich „emissionsfreie“ Fahren mit Strom als Allheilmittel für den Mobilitätssektor zu betrachten.
Es müsse mit der Illusion aufgeräumt werden, dass ein einfaches Auswechseln des Antriebs – von Benzin und Diesel auf Strom – bereits die Lösung bringe.
Stromgetriebene Autos könnten durchaus ein wichtiger Beitrag für die Verkehrswende sein, allerdings müssten sie kleiner und leichter werden. Zudem müsse die Politik die Verlagerung des Verkehrs auf Busse, Bahnen, Fahrrad und Zu-Fuß-Gehen mindestens ebenso kräftig fördern – mit entsprechend deutlich höheren Investitionen in den ÖPNV, Fahrradwege und fußgängerfreundliche Strukturen. 
Tatsächlich wird der CO2-Ausstoß der batteriegetriebenen Autos bei den Berechnung für den von der EU vorgeschriebenen Flottengrenzwert der Autobauer mit null angesetzt, obwohl beim derzeitigen Strommix für die Produktion der Fahrelektrizität durch die Verbrennung von Kohle und Erdgas in den Kraftwerken durchaus hohe Treibhausgas-Emissionen anfallen; Ein E-Auto emittiert derzeit in der Gesamtbilanz in etwa so viel CO2 wie ein Diesel-Pkw. [...] Laut Beckmann & Co. verfolgen die Autokonzerne die Strategie, „mit großen und schweren Wagen in den Markt für Elektrofahrzeuge einzusteigen und diese dann als ,ökologisch‘ zu kategorisieren“ – nach dem Vorbild des US-Autobauers Tesla.
Für notwendig halten die Professoren auch eine Beschleunigungsbremse für die Stromautos, die deutlich spurtstärker als konventionelle Autos sind, was gemeinhin unter „toller Fahrspaß“ verbucht werde. Das koste viel Energie, erzeuge höheren Fahrbahn-Verschleiß und mehr Feinstaub durch Reifenabrieb, sei aber auch ein Problem für die Verkehrssicherheit.
Gerade in Städten erwarten die Experten neue Gefahren „da die Fahrzeuge sich schnell und geräuschlos nähern und Fußgängern und Fahrradfahrern oft nicht ausreichend Zeit für Reaktionen zur Vermeidung von Unfällen bleibt“.

Hier der komplette offene Brief.


Keine Kommentare:

Kommentar posten