Mittwoch, 22. November 2017

Just in time

Die OZ meldete gestern:

Imagekampagne: MV will als Industrieland auftreten

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 43 Industriearbeitsplätzen je 1000 Einwohner, der Bundesdurchschnitt lieg bei 83. Der Nachholbedarf im Nordosten ist groß. Industrieunternehmen sollen Perspektiven aufgezeigt werden.
Jau, endlich wollen wir auch mal nicht nur Jammern, sondern sogar Grund zum Jammern haben! Das für die Ansiedlung von Industrie wegen seiner zentralen Lage und guten Verkehrsanbindung prädestinierte MV möchte sich endlich nicht mehr weiter diversifizieren, sondern seine Umwelt verschmutzen und sich endlich von Industrieunternehmen abhängig machen. Erstes Trainingsfeld waren und sind die Werften, die mit Staatsknete mühsam und für den Gewinn der Unternehmer am Atmen gehalten werden.

Jetzt möchte MV endlich auch das Schicksal anderer Bundesländer erleben und sich von Global Playern abhängig machen.
Für viele Beschäftigte in Görlitz war Siemens nicht nur ein Arbeitgeber, sondern eine Familie. Die zerbricht nun - viele fühlen sich von Siemens "verraten und verkauft".[...] Wochen später der Schock: Siemens will bis zu 6000 Stellen abbauen, drei Werke in Ostdeutschland sollen dicht gemacht werden. Allein in Görlitz könnten laut Betriebsrat 950 Beschäftigte ihre Arbeit verlieren. Gerüchte über die Schließung gab es seit Mitte Oktober. [...] Was die Schulzes und viele Siemensianer nicht verstehen, ist die Erklärung, mit der Siemens die Schließung des Werks begründet: Aufgrund des Trends zu erneuerbaren Energien brauche es kleinere, dezentralere Kraftwerke. Gas- und Dampfturbinen fänden nicht mehr den gewünschten Absatz. In Görlitz lässt Siemens jedoch Industriedampfturbinen bauen, die in den vergangenen Jahren auf die Nachfrage hin angepasst wurden. Ingenieure wie das Ehepaar Schulze entwickelten Turbinen, die auch bei Biomasse-Anlagen sowie in der Solarthermie zum Einsatz kamen. "Wir haben unseren Soll übererfüllt", sagt Andreas Schulze. Die Auftragsbücher seien voll gewesen. Er vermutet, dass Siemens Werkschließungen im Osten billiger kommen. Zwar zahlt Siemens auch hier nach Tarif, die Gehälter sind jedoch geringer als im Westen. Ähnlich würde es sich mit den Abfindungen verhalten, die Siemens im Zuge der Schließung zahlen müsste. Hinzu kommt, dass Gewerkschaften wie die IG Metall im Osten schlechter vernetzt sind als etwa im Ruhrpott. Siemens rechnete offenbar mit geringerem Widerstand. [...] Wenn Siemens zumacht, dann trifft das auch die Zulieferer. Bis zu 2000 weitere Stellen sind dann bedroht. Steigende Arbeitslosigkeit aber auch Abwanderung, davor fürchten sich alle in Görlitz. Vergleichbare Arbeitgeber gibt es nicht in der sonst sehr strukturschwachen Region.
Die Welt schreibt dazu:
Siemens hat einen Gewinnsprung von elf Prozent hingelegt. Zugleich steht der Abbau Tausender Stellen an. Konzernchef Kaeser kündigt will künftig mit kleineren, fokussierteren Einheiten arbeiten. 
"Kleine, fokussierte Einheiten" hört sich nach noch mehr Stellenabbau zugunsten der Füllung der Taschen der Aktionäre an... 

Da möchte endlich auch MV mitspielen!


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