Freitag, 20. Oktober 2017

Bienensterben

Bereits im März 2015 hatte die OZ Anlass, sich zu mokieren:
Ulrich Rose spendet Samen
titelte sie. In der Lokalredaktion konnten Leser_innen Tütchen mit Wildwiesensamen kostenfrei abholen, um das Leben der Bienen in Greifswald zu erleichtern.

Seitdem hat Greifswald allerdings den Bienen das Leben eher schwer gemacht: Der Kahlschlag auf dem Wall mag ihn pflegeleichter und in den Augen der ordnungsliebenden Deutschen "aufgeräumter" und damit schöner gemacht haben, aber der Artenvielfalt hat diese Aktion ziemlich geschadet. Auch die "Aufräumaktion" am Karl-Marx-Platz brachte Aufschwung für Aufsitzmäher, aber Verlust an sämtlichen anderen Arten.

Besagte "ordnungsliebende Deutsche" sorgen auch an, auf und neben den Greifswalder Straßen und Gehwegen dafür, dass nur Beton übrig bleibt und kein leuchtend gelber Löwenzahn Nahrungsquelle für Insekten sein kann. Am schlimmsten sind die Flammenwerfer, die nicht nur das sogenannte "Unkraut", sondern gleich alle Lebewesen in der näheren Umgebung dem Feuertod zuführen.

Mecklenburg-Vorpommern ist ein agrarisch strukturiertes Land (dessen Regierung vergeblich, aber teuer nach einem "industriellen Kern" sucht), daher dürfte nicht nur Greifswald, sondern auch das Bundesland in nicht unerheblichen Maße zum Insektensterben beigetragen haben, dessen Dramatik jetzt nach und nach bekannt wird (wir hatten ja auch schon versucht, dies an der einen oder andren Stelle deutlich zu machen):
In Deutschland gibt es immer weniger Insekten. Eine neue Langzeitstudie spricht von einem massiven Insektensterben und bestätigt damit frühere Ergebnisse. Die Auswirkungen sind verheerend. In den vergangenen 27 Jahren hat die Gesamtmasse der Insekten in Deutschland um mehr als 75 Prozent abgenommen. [...] Vermutlich spiele die intensivierte Landwirtschaft samt dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln sowie der ganzjährigen Bewirtschaftung eine Rolle, erklären die Forscher.
Im ZDF lesen wir dazu, dass die Landwirtschaft, sprich: die Bauern natürlich völlig unschuldig sind:
Vermutlich spiele die intensivierte Landwirtschaft samt dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln sowie der ganzjährigen Bewirtschaftung eine Rolle, erklären die Forscher. Untersucht haben sie dies aber nicht. [...] Nicht an der Studie beteiligte Experten sprechen von einer überzeugenden Arbeit, durch die bisherige Hinweise auf ein massives Insektensterben auf eine solide Basis gestellt worden seien. Der Deutsche Bauernverband ist hingegen der Meinung, dass die Studie mehr Fragen aufwerfe, als dass sie Antworten gebe. [...] "In Anbetracht der Tatsache, dass die Erfassung der Insekten ausschließlich in Schutzgebieten stattfand, verbieten sich voreilige Schlüsse in Richtung Landwirtschaft", sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken. "Die neue Studie bestätigt und betont ausdrücklich, dass es noch dringenden Forschungsbedarf zum Umfang und den Ursachen des dargestellten Insektenrückgangs gibt."
Weiter heißt es:
Die Auswertung zeigte, dass im Verlauf der vergangenen 27 Jahre die jährliche Gesamtmasse im Mittel um gut 76 Prozent abgenommen hat. Am stärksten war der Verlust in der Mitte des Sommers, wenn am meisten Insekten herumfliegen. Er betrug knapp 82 Prozent. "Ein Schwund wurde bereits lange vermutet, aber er ist noch größer als bisher angenommen", sagte Erstautor Hallmann.

Fazit im ZDF:
Was immer die Gründe für den Insektenschwund sind - sie haben einen weit verheerenderen Effekt als bisher erkannt, fassen die Autoren der aktuellen Studie zusammen. Der Verlust der Insekten wirke sich kaskadenartig auch auf andere Lebewesen aus und habe weitreichende Folgen für die Ökosysteme insgesamt. Die Ursachen und das geografische Ausmaß müssten dringend genauer erforscht werden.
Dieser Ansicht ist auch Alexandra-Maria Klein, Landschaftsökologin von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Weitere Langzeitdaten seien nötig - aber wir sollten "nicht auf diese Ergebnisse warten, bis wir unsere Landnutzung ändern", sagt sie. "Dies könnte für einige Insekten zu spät sein."

Fazit in der ARD:
Was immer die Gründe für den Insektenschwund sind - sie haben einen weit verheerenderen Effekt als bisher erkannt, fassen die Autoren der aktuellen Studie zusammen. Werden Nutzpflanzen nicht mehr regelmäßig angeflogen, entstehen der Landwirtschaft große Verluste, wie Schmitt erklärt. Denn sie vertilgen auch Pflanzenschädlinge. Der renommierte Insektenkundler Thomas Schmitt spricht gar von "Dienstleistern am Ökosystem".

Seit gestern kommt die Meldung auch in den "großen" Nachrichten: "Zahl der fliegenden Insekten sinkt dramatisch".

Umdenken ist angesagt.




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