Donnerstag, 24. August 2017

Endlagerung

Mehrere hunderttausend Tonnen schwach radioaktiver Atommüll sind nach Angaben des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) in mehr als 40 Städten und Gemeinden bundesweit entsorgt worden. Der strahlende Abfall sei auf Deponien gelagert, in Müllverbrennungsanlagen verbrannt oder etwa als Bauschutt weiterverwendet worden, teilte der BBU gestern mit
heißt es in einer Meldung in der heutigen OZ. Überall kleine Häppchen deponieren, damit man das Problem mit der Endlagerung loswird - das Erfolgsmodell Lubmin-Rückbau bekommt erste Sprünge. Menschen taugen nicht zum Endlager, es sei denn, man legt, sehr zynisch, das Verursacherprinzip zugrunde. Und dass über die Luft und das Grund- und Regenwasser, die auf den Deponien später weidenden Schafe, über Ausflügler und dort Beschäftigte die strahlenden Reste in unbekannter Dosis bei uns Menschen (inklusive folgenden Generationen) landen, ist so gut wie sicher.
Der BBU veröffentlichte eine Liste mit betroffenen Deponien und Verbrennungsanlagen. Aus Mecklenburg-Vorpommern haben demnach die Deponien in Selmsdorf (Nordwestmecklenburg) und Spantekow (Vorpommern-Greifswald) Abfälle aus dem früheren Kernkraftwerk (KKW) Lubmin bei Greifswald angenommen.
Die entsprechende Liste des BBU kann hier abgerufen werden. Nicht nur MV ist betroffen; in großem Maße entsorgten und entsorgen die Energiewerke Nord (ENW) aus Lubmin auch in Brandenburg (AKW Rheinsberg) sowie Hamburg (AKW Lubmin) und in Baden-Württemberg (Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)).
Um welche Materialien es sich genau handelte, konnte das für den Rückbau beider KKW zuständige Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) in Lubmin gestern nicht sagen.
Sollte es tatsächlich für Abfälle im niederschwelligen Bereich keine Dokumentationspflichten geben? Als würde nicht auch und gerade dort - nach Paracelsus - die Menge das Gift machen?
Über die Gesamtmenge der bisher bundesweit verbrannten, deponierten und wiederverwendeten radioaktiven Abfälle gibt es nach Angaben der Umweltinitiativen keine Informationen. „Selbst die Behörden haben keinen umfassenden Überblick über den Verbleib der strahlenden Reste der Atomindustrie“, kritisiert Gertrud Patan vom Vorstand des BBU.
Das kann so nicht bleiben.
Mit dem Abbau von Atomkraftwerken in den kommenden Jahren seien weitere Millionen Tonnen schwach radioaktiver Müll zu erwarten, warnen die Umweltschützer. Sie schlagen vor, alle radioaktiv belasteten Abfälle am jeweiligen Standort aufzubewahren, bis ein Konzept für den weiteren Umgang erstellt sei.

 

 

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