Mittwoch, 28. Juni 2017

Immer noch nichts gelernt

In einem harmlosen Kommentar (wobei "harmlos" noch der harmlosesete Ausdruck für die Qualität dieses Textes ist) mokiert sich die Society-Reporterin, die auch noch Leiterin der Greifswalder Lokalredaktion ist, über die Gleichstellungsbeauftragten im Lande, die es in einer gemeinsamen Aktion geschafft haben, eine dümmliche und für die Universitäten und Hochschulen schädliche Kampagne des Landes, die zu finanzieren sie zwangsverpflichtet sind, zu stoppen.

Mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten, Verdrehungen, Harmlosigkeiten und Plattheiten (so viel davon in einem so kurzen Text habe ich selten gesehen) zieht sie über diejenigen her, die sich gegen eine dumme und diskriminierende Landeswerbung zur Wehr gesetzt haben und fordert, auf dem vermuteten Stammtischniveau ihrer Leser_innen, die Maxime "Sex sells" nicht nur für Autoreifen, sondern auch für die Universitäten und Hochschulen zugrundezulegen.

Und dann legt die Zeitung noch ein Schüppchen drauf: Die Diskussion um die Schädlichkeit von massenhaft ins Ostsee-Badewasser getragener Sonnencreme in der heutigen OZ muss natürlich bebildert werden. Ich kann mir vorstellen, wie mittelalte Männer und Vertreter_innen der "Sex sells"-Bewegung im Archiv gesucht haben, bis sie ein haargenau auf dieses Thema zugeschnittenes Bild fanden:

Eine Sonnenmilchflasche  
Ein Pärchen am Strand  
Zwei Männer, die ein Sonnenbad nehmen
Ostsee-Wasser unter dem Mikroskop
Ein Arm, auf dem gerade Sonnenmilch verteilt wird

Zwei spärlich bekleidete junge Frauen, die an so etwas wie einem Strand liegen. Ob sie sich vor oder nach dem Baden (oder überhaupt) eingecremt haben oder nicht, ob es sich um einen Strand oder einen Baggersee handelt, verrät die Bildunterschrift nicht. Warum auch - spärlich bekleidete junge Frauen haben einen unmittelbar und für jederMann einsehbaren Zusammenhang zum Sonnencremeeintrag in die Ostsee, das Bild ist, natürlich, in keiner Weise sexistisch und, vor allem, in erster Linie für den größten Bevölkerungsteil gedacht, für die Frauen nämlich. (Nur zur Erinnerung: Frauen sind keine Minderheit, für die man Minderheitenrechte einfordert, im Gegenteil: Laut Statistischem Bundesamt (Statistisches Jahrbuch 2016) sind in MV 49,3 % der Bevölkerung männlichen, 50,7 % weiblichen Geschlechts.)

Nicht, dass das vorbildlos wäre. Vom Roaming-Problem bei Smartphones und Handys sind, nach Darstellung der OZ, ausschließlich blonde, junge, spärlich bekleidete Frauen betroffen, die in der Sonne an südlichen Stränden stehen - zumindest, wenn man sich die Bilder in der OZ der letzten Tage anschaut. Ältere, bekleidete, möglicherweise gar adipöse Männer in geschlossenen Räumen telefonieren im Ausland offenbar nicht. Oder die Gebühren sind ihnen egal.

Oder habe ich das falsch verstanden, bin ich einfach nur zu spießig? Wo doch in MV so viel nackt gebadet wird, wie Katharina Degrassi in obigem Kommentar substantiell zum Thema beiträgt...

Ausschnitt aus einem OZ-Bild


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