Dienstag, 14. März 2017

Man mag es kaum glauben

... dass das wirklich ein Mensch allen Ernstes geschrieben hat. Möglicherweise hat auch eine Satiriker_in einen "Best of ..."-Brief geschrieben, der alle Sottisen und Invektive der Arndt-Befürworter enthält und deutlich zeigt, in welcher Ecke sie stehen.

Jedenfalls kam heute über die elektronische Bürgerschaftspost der unten stehende Brief eines dolchgestoßenen "besorgten Bürgers und Pommern", der, von der Geschichte Vorpommerns völlig unbeleckt, sich verraten und verkauft sieht.

Gott sei Dank hört das bald auf, dass Bürgerschaftsmitglieder mit solchen (noch dazu anonymen) Schreiben belästigt werden (ich meine hiermit ausdrücklich nicht die Bürgerschaftskanzlei, sondern die Verfasser der E-Mails).

Dieses verbuche ich unter gut gemachter Persiflage (inklusive Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler), denn ich hoffe nicht, dass jemand tatsächlich auf eine solche Weise entgleist:


Sehr gehrte Abgeordnete der Bürgerschaft der Universitäts- und Hansestadt Greifswald!

Uns soll in Greifswald mit der Streichung des Namens der Ernst-Moritz-Arndt-Universität ein gemeiner, hinterhältiger Dolchstoss versetzt werden, der tief ins Mark unserer Identität trifft. Er ist von Menschen  angeregt und durchgesetzt, die hier fremd sind und auch fremd bleiben wollen, die  nicht integriert sind und sich auch nicht integrieren wollen,  und die unsere Identität, unsere Geschichte und Empfindungen mit Füssen treten und dabei keinerlei Skrupel oder Unrechtsbewusstsein empfinden. Die Demut eines meist nur zeitweiligen Gastes in unserer Stadt ist ihnen völlig fremd, sie führen sich als besserwissende Herrenmenschen auf und sind ein abschreckendes Beispiel für eine vollumfänglich gescheiterte Integration. Möglicherweise ist keiner der gegenwärtigen studentischen Senatsmitglieder ab 01.April 2017, dem Beginn des neuen Semesters, weder Student der EMAU noch Bürger der Stadt. Sie verschwinden nachdem sie ihr schäbiges Tun beendet haben aus der Stadt in die Anonymität.
Der Name der Universität darf nicht zum Spielball solcher bei uns  Fremdgebliebener werden , der Name gehört genauso den Bürgern der Stadt, deren Steuergeld überhaupt erst einen Universitätsbetrieb ermöglicht. Sie als Abgeordnete sind Anwalt dieser Bürgergemeinschaft.
Pommern hat schon 1945 den größten Verlust  seiner Geschichte, seines Territoriums, seiner Bevölkerung, seiner Wirtschaft aber auch seiner Menschen erleiden müssen, und damit  einen Grossteil der Lasten des verbrecherischen Krieges stellvertretend für Gesamtdeutschland getragen. Von Pommern ist nur noch ein kleiner Teil, Vorpommern, übrig geblieben, dazu gehört glücklicherweise die pommersche Landesuniversität, die den Namen Ernst-Moritz Arndts trägt. Vorpommern wurde die neue Heimat vieler Vertriebener und Geflüchteter, die  ihr Hab und Gut verloren hatten.  Die Identität dieses Restpommerns wurde von 1947 bis zur politischen Wende  durch die politischen Machtverhältnisse zerstört, unterdrückt, verboten, konnte sich nur schwer erhalten und entwickeln. Ein seit 1990 mögliche Wiederentdeckungsprozess ist schwierig und langwierig.
Ernst-Moritz Arndt ist für uns in Vorpommern dabei immer eine wichtige Identifikatiosfigur, an der wir uns orientieren. Er ist für uns hier wichtiger als vielleicht für Menschen in anderen Regionen Deutschlands, wie z.B. Bayern,Schwaben oder Sauerland, und darf uns nicht geraubt werden.  Für uns gehört Arndt zu Pommern wie Goethe,Wagner oder Bach zu Deutschland. Arndt ist hier als erstes freies Kind ehemaliger leibeigener Eltern geboren und aufgewachsen, hat bei uns studiert, erfolgreich gelehrt und ist zu einem deutschen Patrioten, Vorbild und Freiheitskämpfer geworden, der auch ins Exil flüchten musste. Schon zu Lebzeiten in ganz Deutschland hoch verehrt und geachtet, hat sich dieser landesweit gute Ruf und die Anerkennung eines wichtigen Pommern  durchgängig bis in die Gegenwart erhalten.  Von der Wortmacht, dem Ansehen und der geschichtlichen Wirkung haben wir hier  in Vorpommern nicht allzu viele Persönlichkeiten von dieser Größe. Die Universität hat seinen Namen mit Stolz getragen und erfolgreiche Wissenschaftler und Absolventen haben den nationalen und  internationalen  Ruf der Ernst-Moritz-Arndt- Universitat begründet und in die Welt getragen. EMAU ist zu einer  hochwertiges Qualitätsmarke geworden, die sich selbst erklärt und durch vielfältige internationale Partnerschaften und Beziehungen gekennzeichnet ist.
In dieser Situation treten nun seit einiger  Zeit  immer wieder neue junge Eroberer , Menschen- und Meinungsmanipulatoren, moderne Bilderstürmer, gefährliche Geschichtsexorzisten in Erscheinung, die EMAU abschaffen, die Universität namenlos machen und uns einen wesentlichen  Rest unserer Identität rauben wollen. Es sind moderne nomadisierende Invasoren, die sich die Universität kapern und erobern wollen.
Generell folgt dieser Kampf gegen die Universität und ihren Namen EMAU dem aus der grossen Politik in neuerer Zeit bekannten Muster, indem in verschiedene Entwicklungsländer eine moderne Demokratie exportiert werden soll, aber Bürgerkriege erzeugt werden  und Chaos zurückbleibt, wie im Irak, Lybien, Tunesien u.a.
Hier bei uns in Vorpommern  wollen uns ebenfalls  Fremde, Zugezogene, ideologiebesessene  Piraten  erklären, was für uns und unsere Universität gut ist, wie wir zu leben und zu denken haben und da gehört Arndt ihrer Ansicht eben nicht dazu. Sie zerschlagen unsere Geschichte und Tradition. Das darf nicht zugelassen werden, auch nicht unter dem Deckmantel einer missbrauchten Autonomie oder der Freiheit von Lehre und Forschung an einer  Universität.

Sehr geehrte Abgeordnete!
Zeigen Sie Einigkeit im Kampf um den Namen der Universität.
Verteidigen Sie die Ehre und Achtung der Bürger unserer Stadt gegen Verleumdung und Denunziation einzelner Amtsträger der Uni (Klüter, Exkanzler).
Verhindern Sie den Anschlag und den Rufmord auf den Namenspatron unserer Universität.
Tun Sie alles, die Ernst-Moritz-Arndt-Universität zu retten und in ihrem Bestand zu erhalten.
Erkämpfen und sichern Sie den Bürgern bei wichtigen Entscheidungen, wie z.B. dem Namen, ein Mitspracherecht im Hochschulgesetz/Grundordnung. Universitäre Autonomie setzt Verantwortung voraus und darf nicht durch jugendliche, verführte Heissporne missbraucht werden.

In dieser  Namensstreichung ist ein gefährlicher politischer Sprengstoff sichtbar geworden, der dringend einer Entschärfung bedarf.
Auch die Kanzlerin hat sich auf dem Neujahrsempfang der CDU in Greifswald sehr überrascht über den wenig demokratischen Entscheid des Senats der Universität geäussert.

Ein besorgter Bürger und gebürtiger Pommer




Keine Kommentare:

Kommentar posten