Freitag, 8. Juli 2016

Fakten in der Lokalpresse

Der Nordkurier wurde von uns schon desöfteren kritisiert. So, als er es nach unserer Ansicht mit dem Pressekodex nicht so genau nahm. Dazu gab es Zustimmung, aber auch Kritik. Jürgen Mladek, Chefredakteur des NK in Anklam, hatte reagiert und verteidigte unter dem Titel "Warum der Nordkurier lieber die Fakten nennt" die Vorgehensweise des NK. Die Kritik und unsere Replik hatten wir hier zusammengefasst.

Gestern nun stand online (und in der Druckausgabe ähnlich) eine Geschichte über einen abgelehnten Asylbewerber im Nordkurier. Diese wurde den LeserInnen wie folgt schmackhaft gemacht:
Screenshot NK-online vom 07.07.16


Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, wohl aber über dessen Grenzen. Die des schlechten Geschmacks scheinen mir deutlich überschritten. Denn was soll das mit dem "Randale-Marokkaner"? Würde der Nordkurier auch von einem "Krawall-Westfalen" schreiben? Oder vom "Randale-Sachsen"?


Der Nordkurier ist, wie er im oben zitierten Atikel zur Rechtfertigung seiner Berichterstattung schreibt, "...der festen Überzeugung, dass öffentliche Debatten besser [seien] als faktenfreies Geraune". Und weiter: "Wir setzen Fakten dagegen." Was, bitte schön, ist eine Bezeichnung eines mutmaßlichen Straftäters als Randale-Marokkaner anderes als faktenfrei? Wohlgemerkt, hier geht es nicht um den Artikel und die Berichterstattung, die auch grenzwertig ist, sondern allein um die Überschrift. Denn die öffentliche Debatte, die der NK befördern will, wird durch solche Beschreibungen sicherlich nicht in ruhigen und geordneten Bahnen ablaufen. Da können sich besorgte Bürger, AfD-Groupies und deutsche Patrioten mal so richtig bestätigt sehen. Die Überschrift ist, wenn nicht mehr, doch mindestens ganz schlechter Boulevard-Journalismus, schürt Ängste und bedient Vorurteile.

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