Mittwoch, 2. März 2016

Nordkurier, Ostsee-Zeitung und die AfD

Ich bin irritiert. Während alle Welt über das NPD-Verbot diskutiert, etabliert sich die AfD als neue konservative Partei in unseren lokalen Medien. Die taz meinte heute, "selten war die NPD am rechten Rand so irrelevant wie jetzt. Das Sprachrohr der Flüchtlingsfeinde ist längst die AfD, die bislang niemand verbieten will und die – erstaunlicherweise – nicht einmal von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet wird."

Angesichts dessen ist die lokale Berichterstattung über die AfD erstaunlich unkritisch bis völlig distanzlos. Im Nordkurier ist anlässlich einer Veranstaltung der AfD in Anklam die Rede davon, dass die "CDU ja augenscheinlich immer mehr in Richtung Mitte-Links steuert und so Platz für eine neue konservative Partei" lasse (Vorpommern-Kurier vom 01.03.16, S. 18). Außerdem weiß der NK zu berichten, dass der Sprecher der Landes-AfD, Mathias Manthei, in Anklam mal Fußball gespielt habe.

Die AfD eine neue konservative Partei zu nennen, zeugt zumindest von Unkenntnis, wenn man keine Absicht unterstellen will. Höcke ("Die Evolution hat Afrika und Europa – vereinfacht gesagt – zwei unterschiedliche Reproduktions­strategien beschert"), von Storch ("Wenn jemand kommt, und den ganz großen Knüppel rausholt und das damit schafft, innerhalb von zwei Tagen zu beenden, bin ich sofort dabei und solange tue ich, was ich kann"), Gauland ("Wir müssen die Grenzen dicht machen und dann die grausamen Bilder aushalten") und wie sie alle heißen, zeigen doch deutlich, aus welchem Holz die AfD geschnitzt ist. Eine schöne Zusammenfassung von Zitaten führender AfD-PolitikerInnen, inklusive der zuvor genannten, findet sich bei "Wir sind AfD" mit Quellennachweis. Dem Nordkurier zur Lektüre empfohlen...

Auch die Ostsee-Zeitung berichtete am 01.03.16 über die AfD-Veranstaltung in Anklam. So heißt es: "Vor 35 Besuchern erläuterten der AfD-Direktkandidat für die Landtagswahl am 4. September, Matthias Manthei, und der AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm ruhig, juristisch fundiert und ohne Hassvokabular ihr „Wahlprogramm ohne Phrasen“."

Weiter schreibt die OZ, "die AfD, die nach eigenen Angaben in Deutschland 20000 und in MV 420 Mitglieder hat, wolle die innere Sicherheit mit Grenzkontrollen erhöhen und die Polizei stärken. Außerdem fordere sie eine ehrenamtliche Sicherheitswacht." Spätestens bei der Sicherheitswacht, gemeinhin Bürgerwehr genannt, hätten doch alle Alarmglocken schrillen müssen. Unkritisch, distanzlos, geradezu verharmlosend kommt die AfD in unseren Lokalzeitungen zu Wort. Kein Wort darüber, dass Vertreter der AfD im Kreistag mit der NPD stimmen oder dass auch hiesige Protagonisten der AfD seltsame Ansichten teilen. Was bewegt die OZ, so zu berichten? Ein Blick auf den Artikel, der der Allgemeinheit online leider nicht zur Verfügung steht, lässt erahnen, warum dies so ist:
                                           screenshot OZ vom 01.03.16
    
Der CO-Autor Günter Manthei ist der Vater des Sprechers und Landtagskandidaten der AfD, Mathias Manthei. Noch Fragen?

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