Mittwoch, 30. März 2016

No comment - oder doch einer?

Der heutigen OZ ist zu entnehmen:
Fleißiger Blitzer an der A 19: 633 Raser an einem Tag - An nur einem einzigen Tag gingen auf der maroden Brücke über die A 19 bei Waren 633 Raser in die Radarfalle. Und das ist nicht die einzige Stelle in MV, an der Autofahrer tief in die Taschen greifen müssen. In Schwerin wurden am Blitzer „Am Grünen Tal“ 1998 Raser an 18 Tagen gemessen. In Wismar waren es an der B 208 rund 2900 bei 28 verschiedenen Messungen. In Relzow (Kreis Vorpommern-Greifswald) wurden an einer Blitzanlage letztes Jahr 13 510 Tempoverstöße registriert.
Eigentlich bedürfte es über die Einstellung von Autofahrenden gegenüber ihrer Verantwortung für den (in ihren Augen) unwichtigen Rest der Welt keines weiteren Kommentars. Aber innerhalb desselben Artikels über dieses unglaubliche Verhalten der selbsternannten Herrschenden der Straße wird breiter Raum einer Argumentation eingeräumt, die Steuerhinterziehung, Raserei und andere "Kavaliersdelikte" ausschließlich als Einkommensquelle von Kommunen darstellt:
Insgesamt nahmen die Kreise und kreisfreien Städte in MV 2015 rund 23 Millionen Euro mit ihren Blitzern ein. Spitzenreiter war der Kreis Ludwigslust-Parchim mit 5,4 Millionen, gefolgt vom Kreis Mecklenburgische Seenplatte, in dem die Petersdorfer Brücke liegt, mit etwa fünf Millionen. Der Berliner Rechtsanwalt Benjamin Herzog vertritt einen auf der Brücke ertappten Fahrer. Bei der Einsicht der Akten fiel ihm auf, dass alleine an dem Tag, an dem sein Mandant geblitzt wurde, 633 Fahrzeuge mit zu hoher Geschwindigkeit gemessen wurden. „Ich habe den Eindruck, dass dort möglichst viele Fahrer geblitzt werden sollen“, mutmaßt Herzog. „Wenn man von einer durchschnittlichen Geldbuße von 50 Euro ausgeht, nimmt der Landkreis 31650 Euro pro Tag und im Monat fast eine Million ein.“
Klar. Nicht die Raserei ist das Problem, sondern deren Messung. Wie verhaftet in Dinosaurierzeiten und -denken muss man eigentlich sein, um sich zu trauen, mit solchen Worten auch noch an die Öffentlichkeit zu gehen? Selbst die Autofahrendenlobby in Gestalt des ADAC sieht die Maßnahme als sinnvoll an:
„Das Tempolimit ist dringend notwendig, damit die Brücke weiter hält, aber auch damit der Verkehr sich gefahrlos auf den einspurigen Baustellenabschnitt einfädeln kann“, sagt Sprecher Christian Hieff.
Ich bin davon überzeugt, dass selbst ADAC-Mitglieder zu den anmaßenden Worten des Rechtsanwalts verständnisvoll nicken und eine kommunale Verschwörung gegen freiheitsliebende Autofahrende vermuten.

Und dann diese populistische Milchmädchenrechnung, wieviel die Kommunen daran verdienen, wenn Autofahrende, wie es in dem Artikel heißt, "tief in die Tasche greifen müssen"! Im selben Artikel steht:
„Im November hatten wir noch insgesamt 40 Einsprüche gegen Bußgeldbescheide, davon betrafen über 90 Prozent die Messstelle an der Petersdorfer Brücke“, sagt Michael Stork, Sprecher des zuständigen Amtsgerichts Waren. „Im Dezember waren es 102, im Januar 109 und im Februar 143.“

 

 

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