Mittwoch, 9. März 2016

Nein!

Unserem "investigativen" Skandalreprter eob wurde heute wieder viel Platz auf der ersten Seite des Lokalteiles eingeräumt. Gleich beginnt er mit einer Frage - ja, eob: Fragen stellen ist wichtig. Aber von einem Journalisten würde nicht seine Frage an den Anfang des Artikels gestellt, sondern eine mögliche Antwort gegeben oder eine Vermutung, deutlich gekennzeichnet als solche, geäußert. Es geht in Artikeln, lieber eob, nicht um Heuristik oder die Psyche des Artikelschreibers (um mit diesem Wort beide, einen Journalisten und eob, irgendwie unter einen gemeinsamen Oberbegriff zu zwingen), sondern um Mitteilungen einer Neuigkeit, weitergehend um die Darstellung von Zusammenhängen, in denen diese Neuigkeit steht. Dies ist noch keine Kommentierung - aber auch den Unterschied zwischen Bericht und Kommentar wird unser "investigativer" Skandalreporter noch lernen - zumindest habe ich als positiv denkender Mensch diese Hoffnung noch nicht aufgegeben (wobei mir die Zeit davonläuft...).

Abgesehen davon, dass unser "investigativer" Skandalreporter mit wohlfeilem Mut auf Leuten herumtrampelt, die sowieso, berechtigt oder nicht, am Boden liegen (wo bleibt das Neue an der Meldung, eob?), ist die einzige Neuigkeit in dem riesigen und prominent platzierten Artikel, dass der Prozess zwischen Stadt und Baubecon noch läuft. Das Hügelchen kreißte und gebar ... eine Winzigkeit.

Bleibt noch die Frage nach dem Zusammenhang, in dem die Winzigkeit steht. eob erwähnt im Zusammenhang mit dem Rathaus, an dessen Verteuerung plötzlich, laut eob, ausschließlich die Baubecon und ihr damaliger hiesiger Geschäftsträger schuldig sein soll, den Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses, der seinerzeit zu dem Postumbau, dessen Kosten sich von 6 Milionen über 6,5 und 8 Mio. auf 12, schließlich auf 13,8 Millionen Euro (vor der Schlussabrechnung) erhöht haben.

Ach, hätte eob den Abschlussbericht doch nur gelesen oder ein Mitglied des Ausschusses, vielleicht sogar dessen Vorsitzenden, gefragt! Dann hätte er lesen können man ihm gesagt, dass natürlich die Baubecon ein gerüttelt Maß an Verantwortung für das Greifswalder Elbphilharmonie- und BER-Desaster getragen hat. Aber, und das unterschlägt eob, der Anteil "auf der anderen Seite", bei unserer Stadtverwaltung, beim in die Sicherheit der Jurisdiktion Schwerins wegbeförderten damaligen 2. Beigeordneten und bei unserem landtagsabgeordneten Türöffner war mindestens genauso groß!

Dass eob weiterhin nicht berichterstattet, sondern die OZ dazu benutzt, eine irgendwie geartete Politik aus persönlicher Befindlichkeit zu machen, ist schon lange klar. Hier wird es nochmals deutlich: Der geschilderte Zusammenhang ist nur halb wahr und daher mordsgefährlich, dient er doch der Exculpation der Hälfte der Beteiligten. Denn wenn die Baubecon alleine an dem Desaster Schuld war, können die anderen ja weiterwurschteln wie vorher...






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