Samstag, 12. Dezember 2015

Wider die ewig Gestrigen

Es gibt ja auch in Greifswald wider verstärkt Argumentationen, dass die "gefühlte Sicherheit" auf von der Straße abliegenden Radwegen so viel höher sei, dass man einmal eine Befragung mit dem Ziel machen solle, die Radwege auf der Straße abzuschaffen.

Aber wie die Leipziger Pegida-Anhänger lassen sich auch diese Menschen von der Wirklichkeit nicht von ihren Falschmeinungen abbringen: Die meisten Radfahr-Unfälle geschehen auf diesen "gefühlt sicheren" Radwegen, und zwar an den nicht gar so seltenen Straßeneinmündungen:

Fast alle Zusammenstöße auf der Anklamer ereignen sich im Bereich von Straßeneinmündungen. Insgesamt wurden der Polizei 356 Radunfälle angezeigt. Zu den Schwerpunkten mit sechs bis zehn Unfällen gehören auch die Kreuzung der Lomonossowallee mit dem Liebknechtring, die Einmündung der Neunmorgen- in die Gützkower und der Krull- in die Beimlerstraße.

Es wäre schön, wenn die Autofahrerinnen, die sich plötzlich für die "gefühlte Sicherheit" der Radfahrenden stark machen (wie gerade auf einer Greifswalder fb-Seite nachzulesen), vorher kundig machten und keine Stammtischprolen wiederholen würden.

Gleichzeitig wäre es schön, wenn die Hühnchen und Mäuschen, die, gerade von Mutters Rockzipfel gelöst, aber mit Hochschulzugangsberechtigung in der Tasche, sich sozial verträglich am Straßenverkehr beteiligten. Auf der linken Seite der Anklamer, mit dem Smartphone vor der Nase, zu dritt nebeneinander und dem Coffee-to-go-Becher in der anderen Hand wird man automatisch zum Unfallrisiko.

Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung geht von dem Glauben aus, dass sich mündige Menschen am Straßenverkehr beteiligen, die sich der Situation bewußt sind, mit anderen Menschen einen Verkehrsraum zu teilen, und sich entsprechend verhalten. "Gefühlte Sicherheiten" und egoistisches Verhalten sind die allerersten Unfallquellen - die allerdings auch am einfachsten abgestellt werden könnten: Vorsicht - Rücksicht - Umsicht lösen viele Probleme. Der Straßenverkehr ist kein Ponyhof, kein abgeschlossener Hof der Seniorenresidenz und nicht mehr der wohl behütete Hof kindlicher Spiele.


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