Donnerstag, 27. August 2015

Bargischow: "Unterbringung von Flüchtlingen in Woserow", ...

... so der Titel der Einladung zur Einwohnerversammlung gestern Abend.

Bargischow, jenes Dörfchen, dass bei den letzten Wahlen immer mit einem großen NPD-Stimmenanteil "glänzte", wird in dieser oder in der nächsten Woche im Ortsteil Woserow 15 Flüchtlinge aufnehmen. Aus diesem Grund lud der Bürgermeister gestern Abend zur Einwohnerversammlung.

Dass es mal wieder seitens der Behörden eine katastrophale Informationspolitik gab, wurde schnell klar. Darum soll es hier aber nicht gehen, auch nicht um Zahlen und behördliche Konzepte, da wird der Nordkurier sicher etwas zu bringen.

Die Begleitumstände waren es, die ich als gruselig empfand. Vor dem Gemeindesaal standen ca. 30 Personen des "besorgten Volkes", die das Gebäude nicht betreten wollten, da drinnen eine Fernsehkamera aufgebaut war. Man wolle sich beim Darlegen "der Argumente nicht filmen lassen", hieß es. Und sinngemäß, man wisse ja, was die Presse daraus mache. Drinnen ließ der Bürgermeister, ungeachtet dessen, dass es sich um eine öffentliche Versammlung handelte, darüber abstimmen, ob die Kamera im Saal bleiben darf. Ein knappe Mehrheit sprach sich dagegen aus. Einige der Besorgten, die im Saal waren, irritierte dann noch die Anwesenheit der schreibenden Zunft (Nordkurier), der Protest wurde aber nicht weiter thematisiert. Der große Rest des Bargischower Volkes, der draußen "Wir sind das Volk" skandierte, kam trotz Filmverbotes nicht in den Versammlungssaal, sondern verließ nach und nach den Ort des Geschehens. Der Verdacht liegt nahe, dass es diesen BürgerInnen ohnehin nicht um den Austausch von Argumenten ging.

Im Saal versuchte dann der Vertreter des Landkreises den EinwohnerInnen, die geblieben waren, zu erklären, warum Flüchtlinge nach Bargischow kommen. Der guten Ordnung halber sei erwähnt, dass auch einige BürgerInnen dem aufgeschlossen und fröhlich entgegen sehen. Wie diese Erklärung dann aber ablief, ließ doch tief in die Gedankenwelt des Landkreismitarbeiters blicken.
Drei- bis viermal wurde betont, dass der Landkreis und damit auch Bargischow Flüchtlinge aufnehmen "müsse". Und der "Zustrom" von Flüchtlingen würde sicher immer stärker.
Den EinwohnerInnen solle klar sein, dass die Flüchtlinge eine "halbwegs menschwürdige Unterkunft" benötigten. Die "Angst vor Fremden" könne er, der Landkreismitarbeiter, nachvollziehen, aber, wie gesagt, man "müsse" ja Flüchtlinge aufnehmen. Nun sei eben Bargischow an der Reihe, auch wenn "an manchen Gemeinden der Kelch vorüber gehe".

Tja, noch Fragen hinsichtlich einer Willkommenskultur in unserem Landkreis? Es bleibt ein Wunsch:


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