Mittwoch, 4. Februar 2015

Orden und Ehrenzeichen

Was hielte die geneigte Leserschaft davon, wenn Schäuble (CDU) um die Verdienste zur europäischen Einigung eine Ehrenmitgliedschaft bei den "Veteranen des G8-Gipfel-Protests in Heiligendamm" angetragen würde? Schäuble würde ein solches Ansinnen vermutlich ablehnen.

Wie sähe es aus, wenn Gabriel (SPD) wegen seiner Verdienste um die Arbeitgeberschaft zum Ehrenvorsitzenden des Arbeitgeberverbandes MV ernannt würde? Nachdem er sich kurz versichert hätte, wo MV überhaupt liegt, würde Gabriel vermutlich "mit Freude" annehmen.

Nicht vermutlich, sondern ganz sicher erhält Dr. Stefan Fassbinder, seines Zeichens Mitglied von Bündnis 90 / Die Grünen, Kreisverband Vorpommern-Greifswald, und derzeit bereit, für OB-Wähler_innenstimmen alles zu tun, den Orden des Faschingsklubs des ehemaligen KKWs "Bruno Leuschner". Zumindest ist dies der heutigen OZ zu entnehmen.

Ein gutes Stück vorangekommen auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft zu den anderen, die ja auch gerade dahin wandern oder von dort ihren antiislamischen Protest hören lassen, kann man davon ausgehen, dass Fassbinder den Preis aus den Händen der Atomkraftler annehmen wird. Trotz "Atomkraft - Nein danke!", trotz Castor-Protesten, trotz eines gesamtdeutschen Atomklos in unmittelbarer Nachbarschaft. Er ist eben als linker (hüstel, hüstel) OB-Bewerber ein Kompromisskandidat, der es mit allen können muss.

Ich kann drei Reaktionen durch den OB-Kandidaten, bei dem sich keiner mehr sicher sein kann, ob er ab seiner Kandidatur noch auf dem Boden des Grünen Grundkonsenses steht, vorstellen:

1. "Ich habe gar nicht gewusst, dass der KKW-Fasching personell oder ideologisch etwas mit dem Atomkraftwerk zu tun hat!"

2. "Ich bin OB-Kandidat und daher überparteilich. Man muss mit allen Menschen sprechen!"

3. "Ich bin absoluter Spaßpolitiker und will ein wenig Karnevals-Leben in die Kommunalpolitik bringen. Die Spaßbremsen, die das nicht verstehen, sind nicht so humorvoll wie ich!"

Alle drei sind ihm zuzutrauen.

An wen wenden sich jetzt eigentlich Atomkraftgegner_innen aus dem Kreis Greifswald-Vorpommern?




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