Dienstag, 19. August 2014

Sonder-Bürgerschaftssitzung zum Theater

Gestern traf sich die Bürgerschaft zum Thema "Neuordnung der Theater- und Orchesterstruktur MV", östlicher Landesteil, speziell: Theater Vorpommern.

Zunächst war es einschläfernd. Die Bürgerschaftspräsidentin räumte Kulur-Staatssekretär Schröder sowie Nicolaus Steenken von METRUM viel zu viel Zeit ein, Altbekanntes nochmals zu wiederholen, als hätten die Mitglieder der Bürgerschaft noch nie vom Metrum-Gutachten gehört. Besonders Steenken glänzte mit dem ermüdenden Ablesen von Folien. Dies dauerte viel zu lange, und der Versuch Schreiber dieses, mit der Diskussion zu beginnen, bevor alle genervt und schläfrig sind, scheiterte an der Tatsache, dass die Präsidentin mehr den Großkopferten geneigt war als ihren Bürgerschaftsmitgliedern (wie sie auch sehr großzügig mit der Tagesordnung umging und Spielregeln nur mit Teilen der Bürgerschaft besprach, dann aber auf alle übertrug). Dann kam noch der OB. Und dann noch der Intendant.

Als alle schon sehr ermüdet waren vom Oftgehörten, konnte in die Diskussion eingestiegen werden. Diese schleppte sich dahin, weil natürlich niemand Lust hatte, die an das Ministerium und an METRUM gegangenen 67 Fragen einzeln zu stellen. Sowohl Schröder als auch Steenken hielten ihre abgestandenen Vorträge (die sie sicherlich in dieser Form schon oftmals gehalten haben), ohne irgendwie zu zeigen, dass sie die Fragen der Bürgerschaftsmitglieder auch nur ansatzweise wahrgenommen hätten. Ich bin gespannt, ob wir von den Fragen und ihrer möglichen Beantwortung je wieder etwas hören werden...

Die einzig interessante Tatsache, dass nämlich die Verwaltung ohne Rückfrage, ja sogar ohne Information der Bürgerschaft und der Fachausschüsse am 15. September eine Zielvereinbarung mit dem Kultusministerium abschließen werde, die den weiteren Verlauf der Diskussion festlegt, wurde von den studentischen Jungschen bemerkt und bemängelt. Den Fehler der Verwaltung konnte auch der Redebeitrag des Kultursenators Dembski nicht heilen, dass in der Zielvereinbarung nicht mehr stehe als im LOI, verabschiedet von der alten Bürgerschaft. Daher habe die Vewaltung ohne Wissen und Zustimmung der Bürgerschaft handeln können. Wer's glaubt...

Im Zusammenhang mit dem Theater wird eindeutig zuviel geheim und in Hinterzimmern gemauschelt und entschieden. Zielvereinbarung mit dem Land, Causa Löschner, Alternativen zum Fusionstheaterzwang durch den KuMi - überall stößt man auf eine Mauer des Schweigens, sowohl bei den Gesellschaftern als auch beim Aufsichtsrat als auch beim Intendanten, der mit einer aus dem Hut gezogenen 300.000-Euro-Forderung an das Land jüngst alle Hoffnungen auf einen Erhalt der Theater Vorpommern GmbH zunichte machte. Tat er dies von sich aus? Hatte er Unterstützung vom AR oder von den Gesellschaftern? Wussten die überhaupt von dem Bettelbrief? Schweigen im Walde. Warum wird um das Theater eine informative Bannmeile errichtet? Haben die gegenwärtigen Entscheidungstragenden dem Theater nicht schon genug geschadet, als dass sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit agieren dürften? Denn der momentan schlechte Zustand des Theaters ist genau denen zuzuschreiben, die die öffentliche Dikussion meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Schließlich sei nochmals betont, dass vor der Verstrickung in Einzelfragen des mangelhaften und von keinerlei Sachkenntnis getrübten METRUM-Gutachtens, vor der Verirrung in der von Nebelkerzen des Ministeriums kaum mehr erkennbaren Theater- und Orchesterlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns ein Grundsatzbeschluss gefällt werden muss:

Sind wir alle damit einverstanden, dass 102 Mitglieder der Theater-Ensemble im östlichen Landesteil an die frische Luft der Arbeitslosigkeit gesetzt werden? Glauben wir wirklich, dass es strukturelle Probleme des Theaters sind, die zur Neuordnung führen, und nicht doch eher der eiserne Wille der Landesregierung, dort zu sparen, wo es keinen Widerstand zu gewärtigen gilt? Wollen wir wirklich 102 Leute aus dem Arbeitsleben entlassen für einen Spar-Betrag, mit dem gerade einmal 200 Meter Autobahn gebaut werden können? Wo ist da die Verhältnismäßigkeit?

Für Schreiber dieses ist die Konsequenz aus dem Metrum-Gutachten nicht, dass wegen eines bis 2020 kumulierten Fehlbetrages von 5,8 Millionen Euro 102 Menschen entlassen werden müssen, sondern die richtige Beobachtung, dass die Theater unterfinanziert sind und man sich Gedanken machen muss, wie man dieses ausgleicht! Vielleicht, indem man weniger Geld in unten offene Fässer schüttet wie die Wirtschaftssubventionen für Kaviar- und CD-Fabriken, Sommerskihallen oder Werften... Geld genug ist da - es wird nur falsch eingesetzt!

Und wir müssen den richtigen Einsatz fordern und durchsetzen! Dafür fand gestern die Bürgerschaftssitzung statt. Nicht um Beamte und Gutachter zu bauchpinseln und ihnen Raum, Tribüne, Zeit, Licht und Luft zu geben, stundenlang ihr bereits tausendmal wiedergekäutes Zeug erneut vorzutragen.



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