Dienstag, 3. Juni 2014

Journalistische Verantwortung? Fehlanzeige

SVZ, NK oder OZ berichteten heute über die Verhaftung eines Mannes, der verdächtigt wird, vor einigen Tagen eine Elfjährige sexuell missbraucht zu haben.
Über die Art und Weise der Berichterstattung möchte ich jetzt aber nicht sprechen. Ohnehin ist die Verdachtsberichterstattung schwierig, da immer auch die Unschuldsvermutung bis zur rechtskräftigen Verurteilung gilt.
In Zeiten der sozialen Netzwerke ist jedoch besondere journalistische Verantwortung gefragt. Alle drei oben zitierten Zeitungen stellten ihre Artikel bei facebook ein. Und es kam, was kommen musste. Der Mob konnte sich nach Belieben austoben, zumindest bei der SVZ. Der Redaktion musste klar sein, welche Art von "Rechtsverständnis" sich dann offenbart, natürlich gerne auch anonym. Von der Unschuldsvermutung bzw. der Tatsache, dass es bis jetzt nur ein Verdacht ist, mal ganz abgesehen. Weder wurde Mäßigung verlangt noch anscheinend moderiert, sonst würde dort einiges nicht mehr stehen. Zitate gefällig [Rechtschreibung im Original]:
"Bei solchen Menschen kommt mir das pure Erbrechen an. Mit einem stumpfen Messer kastrieren!!!!"
"tierversuche stoppen, kinderschänder nehmen"
"schnipp, schnapp pimmel 🍌 muss ab!"
" Kinderschänder sollte man alles einzeln abhacken die zerstören schließlich das ganze Leben"
"ach ihr immer mit todesstrafe man das geht doch viel zu schnell der sollte über jahre misshandelt werden die sau das er sich wünscht zu sterben so ein stk. dreck muss man immer wiederbeleben u. ins koma schlagen die besten foltermethoden hatten die vietcongs u. so muss man mit kinderschändern umgehn"
Und so weiter, und so fort... [alle Zitate unter dem facebook-Eintrag des SVZ waren bis zum Erscheinen dieses Beitrages noch online]. OZ und NK scheinen wesentlich gewissenhafter zu moderieren.
Kritische Stimmen wurden verdächtigt, selbst pädophil zu sein, ohne dass die Redaktion irgendwie eingeschritten ist. Zum Schluss ein Screenshot eines Kommentars unter dem SVZ-Eintrag, der ca. 5 Stunden nach Veröffentlichung ebenfalls nicht gelöscht ist, auch wenn das kaum zu glauben ist:

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