Mittwoch, 9. April 2014

Tanzzeiten in Greifswald *Update*


Die Greifswalder Musikschule bietet Tanzkurse an. Dies klingt zunächst sehr unspektakulär, denn Walzer, Chacha oder Tango kann man an vielen Stellen lernen; Jazzdance und Zumba sind beliebte Wellness-Aktivitäten.
Aber, und das verrät die Internet-Seite der Greifswalder Musikschule leider nicht, bei diesem Kursangebot handelt es sich eben nicht um Gezappel zum körperlichen Wohlfühlen, zur Gewichtsreduktion oder zur Zusammensstoßvermeidung auf Tanzflächen, sondern um klassisches Ballett – und insofern etwas Außergewöhnliches, was man sonst eigentlich in Greifswald kaum findet. Häufig handelt es sich um Kurse im Rahmen der Musikalischen Früherziehung (MFE), wie sie auch an der Greifswalder Musikschule zu finden sind.
Bemerkenswert ist aber das Kursangebot für die Erwachsenen bzw. diejenigen Menschen, die über das Alter der MFE hinaus sind. Die Tanzpädagogin Conny Hege bietet diese Möglichkeit.
In einer Stadt, in der Ralf Dörnen mit seinen Ballett-Inszenierungen am Theater immer wieder rauschende Erfolge feiern kann, in der nicht nur die TanZZeit (jetzt bald wieder auf der Bühne zu sehen), sondern das hochambitionierte und international renommierte Festival „Tanztendenzen“ jetzt als Biennale stattfindet, sollte ein solches Angebot auf jeden Fall zum „Alltag“ gehören.
Um so unverständlicher, dass dieses Angebot jetzt im Finanzausschuss der Bürgerschaft der UHGW in Frage gestellt wurde. Zunächst einmal: Nach 44 Teilnehmenden würden sich manche Vereine und Initiativen die Finger schlecken. Das ist keine unbedeutende Anzahl, angesichts derer man über Einstellung der Kurse sprechen sollte. Was machen dann die 44 Menschen? Am besten auf der nächsten Sitzung des Finanzausschusses auftauchen und ein wenig tänzerischen Wirbel verbreiten… Zudem handelt es sich zu drei Vierteln um Kinder, deren Erziehung, Bildung, Ausbildung (oder wie immer man das nennen mag) wir ja auf keinen Fall vernachlässigen möchten.
Ein guter Weg scheint mir dagegen der zu sein, den das Kulturamt einschlägt: Kursmitglieder werben, Beiträge senken (was leider nicht ad infinitum geht: Die Greifswalder Musikschule zahlt Tarif und bemüht sich, die Verträge für die Lehrkräfte auskömmlich zu gestalten. Das kostet!). Dadurch kann die Auslastung erhöht werden, so dass sich die Beitragsreduktion, um in der Sprache des Finanzausschusses zu sprechen, „rechnet“.
Und ein schön gestalteter Internet-Auftritt, wie er mittlerweile eigentlich Gang und Gäbe ist, sollte diese werblichen Maßnahmen unterstützen, damit man auch den Finanzern, denen man ja hin und wieder eine gewisse Kulturferne nachsagt, von diesem Angebot so überzeugt werden, dass sie es für alternativlos halten!


Die OZ meldete am Samstag:
Die Greifswalder Musikschule steht in der Kritik: Will sie die Gebühren für den Unterricht stärker erhöhen als unbedingt nötig? Dieser Frage musste sich Musikschulleiter Carsten Witt jetzt im Bildungsausschuss der Bürgerschaft stellen.

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