Dienstag, 12. Januar 2016

Kulturförderung

In der heutigen OZ ist ein guter Satire-Artikel zur Landeskulturförderung erschienen.

Genau so wie die mutmaßlichen Verfassenden des Artikels halte ich die Brodkorbsche Füllhornentleerung für einen fiesen Wahlkampf-Trick: Auf der einen Seite Kahlschlag in der Theater- und Orchesterlandschaft, auf der anderen Seite landesherrliche Gießkanne nach Gutsherrenart.

Dies nimmt der Artikel köstlich auf die Schippe und bedient sich dabei einer Kunstfigur, nämlich des zwar von Brodkorb eingesetzten, aber komplett unabhängigen Vorsitzenden des zwar von Brodkorb eingesetzten, aber völlig unabhängigen Landeskulturrates. Im Moment ist dies der vor allem im südlichen Osten bekannte Dr. Klaus-Michael Körner.

Natürlich ist es gut, wenn mehr Geld in die Kulturförderung gesteckt wird. Aber es gilt noch immer: "Besser" ist nicht "gut"! Leise angedeutet wird dies auch durch Dr. Körner:
Im Bereich der Förderrichtlinie gab es in den letzten fünf sechs Jahren ein ständiges Sinken von über zehn Millionen auf 9,56 Millionen. Dass das nun korrigiert wird, ist natürlich gut. [...] Aber die Bereiche Literatur, Bibliotheken und bildende Kunst sind in der Vergangenheit zu wenig gefördert worden, auch im Bundesvergleich. Dort muss es eine deutliche Anhebung über die fünf Prozent hinaus geben.
Zudem sorgt Dr. Körner auch dafür, dass zwar Kultur insgesamt abgeschafft, das Plattdeutsche und die Heimattrachten jedoch jetzt zusätzlich gefördert werden. In einem von ihm angeregten zusätzlichen Topf im "Innovationsprogramm" sollen vor allem, ganz innovativ, plattdeutsche Unterrichtsstunden und Trachten in Touristenkokalen gefördert werden. Jau!
Beim Innovationsprogramm haben wir einen zusätzlichen Topf für Heimatpflege angeregt, dazu gehört das Niederdeutsche, mit dem man stärker an die Schulen gehen muss sowie der Bereich Folklore. Wenn die Bedienungen in Gaststätten Trachten tragen würden, so wie das in Bayern selbstverständlich ist, würde das dem Tourismus sicher gut tun.
Richtig innovativ wird das von Dr. Körner gestaltete Innovationsprogramm, wenn es heißt:
Zudem gab es den Vorschlag, mit den Landkreisen kulturelle Projekte zu entwickeln, die vom Land Co-finanziert werden, um Anreize zu schaffen. 
Was anderes fordern denn die kulturell Tätigen im Lande seit Jahren? Dies unter "Innovation" zu verbuchen ist eindeutig Frechheit Satire.

Grandios auch die geänderte Landesförderung der Kultur, die Dr. Körner über zwei Absätze hin nennt (nicht aber die Änderungen anführt). Wir können nur das neue Konzept der Landeskulturförderung durch ein Beispiel erschließen, das Dr. Körner nennt:
Beim Straßenbau wäre die Gestaltung eines Verkehrskreisels mit einer Plastik denkbar. Ähnlich beim Autobahnbau. Man muss sich nur mal vorstellen, die Leute kommen auf der Autobahn nach MV und an den Grenzen stehen 30 Meter hohe Skulpturen, die deutlich machen, wofür wir stehen: Fremdenfreundlichkeit. Das wird durch Kunst deutlich. Das wäre doch eine interessante Idee.
LOL...

Hier ein Ausschnitt aus einem (Vor-)Bild aus Kaiserslautern. Würde man alle Spieler von Hansa Rostock aufeinanderstellen und dem obersten den Ball auf den Kopf legen, kämen wir bestimmt auf die vorgeschlagenen 30 Meter...


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