Mittwoch, 12. August 2015

Der Feind steht vor den Toren

Das dachte ich, als ich im heutigen Nordkurier folgende Überschrift fand: "Die Lage spitzt sich dramatisch zu". Der Artikel ist nicht online.

Das klingt nach Gefahr, nach Bedrohung, dabei ist dies ein Artikel über Flüchtlinge im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Ich weiß nicht, wer die Überschriften im Nordkurier verantwortet, ein solches Schreckensszenario ist meines Erachtens aber völlig überflüssig und gefährlich, ein gefundenes Fressen für Nazis, die dies unkommentiert übernehmen können. Wenn mit der "Lage" die der Flüchtlinge gemeint gewesen wäre, könnte ich eine gewisse Dramatik noch verstehen. Aber aus dem Zusammenhang ergibt sich zweifelfrei, dass zuerst an die Situation im Landkreis und nicht an die der Flüchtlinge gedacht wurde.

Wie sonst muss dies verstanden werden: "Flüchtlinge in städtischen Turnhallen in Ueckermünde, Strasburg oder Anklam? Oder in Zeltlagern auf der Wiese in Pasewalk? Der Landkreis Vorpommern-Greifswald schließt nichts mehr aus angesichts der Lage in der Region. Der Zustrom von Asylbewerbern wird immer größer."

Auch an Formulierungen wie "Bei der Zuweisung der Flüchtlinge in die Städte und Gemeinden müsse die Verhältnismäßigkeit beachtet werden, und da stelle sich natürlich die Frage: Wie viele Asylbewerber verträgt beispielsweise eine Stadt wie Ueckermünde?" wird deutlich, dass es insbesondere dem Landkreis nicht um die Situation der Flüchtlinge geht. Dass dabei im Artikel von "Flüchtlingsströmen" die Rede ist, ist dann geradezu folgerichtig. Für mich ist angesichts dieses Szenarios, das der Landkreis beschreibt, eher die Frage "Wie viel Vorpommern-Greifswald verträgt der/die Asylsuchende?"

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