Freitag, 27. März 2015

Verstehe eine/r die SPD...

Manchmal (sic!) verstehe ich die SPD nicht. Patrick Dahlemann berichtet heute bei Facebook über seinen Besuch in der Tafel. Er schreibt:

"Heute absolvierte ich erneut einen Praxistag - diesmal in der Tafel.
Diese Einrichtung ist wichtig für unser gesellschaftliches Klima und für einige Menschen eine unverzichtbare Hilfe."

Leider gilt jetzt auch für Dahlemann, was für unsere Lokalredaktionen von OZ und NK schon lange gilt. Ich meine, man kann nicht über das Tafelunwesen berichten oder darüber schreiben, ohne die berechtigte Kritik außen vor zu lassen. Patrick Dahlemann aber setzt da noch einen oben drauf. Ich wiederhole zunächst gerne, was ich an anderer Stelle schon schrieb:

"Respekt hat auch etwas mit Menschenwürde zu tun, und die bleibt bei der kritiklosen Betrachtung von Tafeln auf der Strecke. Was hat es mit Würde zu tun, wenn die Armen von den Abfällen der Reichen leben? Da hilft auch der Euphemismus des Geredes vom “Kunden” nichts. Stefan Selke, Soziologie-Professor an der Uni Furtwangen und einer der bekanntesten Kritiker der Tafeln in Deutschand, spricht von einer Verstetigung statt Bekämpfung der Armut in Deutschland durch das Tafelsystem. Selbst der Vorsitzende des “Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V.” meint, dass es doch besser wäre, wenn die Tafeln überflüssig wären.
Vielleicht hätte der Autor bei den Märkten, die die Tafel mit ihren nicht zu verkaufenden Waren beliefern, mal nachfragen können, was diese denn an Entsorgungskosten einsparen. Oder vielleicht nur mal ein kritischer Gedanke daran, dass es ein Skandal ist, dass unser Sozialstaat Deutschland überhaupt so etwas wie Tafeln nötig hat.

Dahlemann steigert aber noch diese unkritische Praxis, in dem er Tafeln als wichtig für unser gesellschaftliches Klima ansieht. Deutlicher kann er nicht signalisieren, wie sehr er die neoliberale Agenda 2010 in sich aufgenommen hat. Das gesellschaftliche Klima der Agenda ist das der neoliberalen Kälte. Dafür sind die Tafeln in der Tat wichtig, und sei es, dass der Staat sich aus der Verantwortung stehlen kann.

1 Kommentar:

  1. Gregor hat Recht und P. Dahlemann irrt, wenn er meint, die Tafel sei wichtig für "unser gesellschaftliches Klima". Leider ist es vor allem ein trauriges Indiz für das Klima in einer sich vom Sozialstaat verabschiedenden Gesellschaft. Vertiefendes dazu sendete einst ndrKulur. Hier die Textfassung (über mein blog). https://jostae.wordpress.com/2011/11/16/seit-uber-15-jahren-wieder-armenspeisung-im-reichen-deutschland/

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