Montag, 20. Oktober 2014

OB-Wahlen

Zwei OB-Wahlen beschäftigen die grünen Gemüter. Die OZ meldete am Wochenende (leider ein Bezahl-Artikel), dass Linke, SPD und Grüne in Greifswald wohl mit einem gemeinsamen grünen Kandidaten zur nächsten OB-Wahl im April 2015 antreten werden.
Und in Tübingen gewann ein anderer konservativer Grüner gestern die OB-Wahl im ersten Wahlgang mit 61,7 Prozent. Zu Palmer ist hier in der FAZ einiges nachzulesen.
In Greifswald ist es aus Sicht der "Opposition" sicher gut und richtig, dass in der CDU-Hochburg ein gemeinsamer Kandidat gegen den bereits nominierten Jörg Hochheim antritt. Die SPD, die schlicht niemanden hat, den sie ins Rennen schicken könnte, meint, dass "es naheliegend [sei], dass wir auch einen gemeinsamen Kandidaten aufstellen" (alle Zitate aus dem verlinkten OZ-Artikel). Auch die Linken sind sich sicher, dass "unsere Chancen [...] größer [sind], wenn wir einen gemeinsamen Kandidaten aufstellen". Fassbinder selber setzt "auf Sieg".
Die OZ ist weiterhin der Ansicht, dass "die Chancen für Fassbinder steigen, je breiter das Bündnis [sei], das ihn unterstützt". Aber genau da sehe ich das Problem. Denn wenn auch die Liberalen Unterstützung signalisieren und meinen, "in Fassbinder ... jemanden [zu sehen], der unsere Interessen und Ideen vertritt" (so David Wulff, FDP-Kreisvorsitzender), dürften zumindest die Linken ein Problem haben, die SPD ist wendig genug, das auszuhalten. Ich teile ja Wulffs Ansicht, dass liberale Vorstellungen bei vielen Grünen gut aufgehoben sind und die Grünen sich zudem anschicken, die sterbende FDP zu beerben, aber den Linken müsste dies gewaltige Kopfschmerzen bereiten. Auf so etwas wie ein Wahlprogramm, das FDP- und Linke-Positionen vereint, dürfen wir gespannt sein. Und es bleibt die Frage, was vom grünen Ursprung (ökologisch, sozial, basisdemokratisch und gewaltfrei) da noch übrig bleiben kann.

Kommentare:

  1. Deine hier vorgenommene Kategorisierung von Boris Palmer taugt leider nicht viel mehr als die hilfosen Versuche vieler überregionaler Zeitungen, sich Tübingen zu erklären. Palmer ist jedenfalls nicht gewählt worden, weil er ein besonders konservatives Profil vertreten hat. Manchmal werden Amtsinhaber*innen auch einfach wiedergewählt, weil die politische Bilanz stimmt.
    Dazu war Palmers Programm in einer für grüne Maßstäbe sehr präzisen und gut lesbaren Sprache verfasst. Diese Feststellung weist gleichzeitig auch bereits auf ein Grundproblem des bisher bekannten Greifswalder Kandidatenfeldes hin. Zu befürchten ist da ein "Wahlkampf" aus viel heißer (und abgestandener) Luft.

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  2. Einfach die Wahlergebnisse der Kommunalwahl zusammenrechnen und auf die Oberbürgermeisterwahl zu projizieren ist meiner Meinung nach zu schlicht gedacht. Diese Wahl ist eine viel stärkere Personenwahl und was die Parteien möchten, will das Wahlvolk nicht unbedingt auch. Warum sollten beispielsweise die Senioren anfangen plötzlich im Alter "grün" zu wählen, nur weil ihre Partei niemanden aufstellt? Greifswald ist nicht Tübingen! In Greifswald gibt es viele konservative Linke, die eher Herrn Hochheim wählen würden, als einen gemeinsamen Kandidaten verschiedenster Parteien, der nicht ihrem Anspruch genügt. Nur eins ist wirklich sicher: am Wahlabend wird es spannend.

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